Die Regierung in der Ukraine bekämpft die Massenproteste in Kiew nun doch mit Gewalt: Bewaffnete Männer stürmten den Sitz der Vaterlandspartei der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Polizisten und mit Maschinenpistolen bewaffnete Mitglieder der Sondereinheit "Berkut" (Steinadler) seien am Rande der Oppositionsproteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch in die Räume eingedrungen, sagte eine Parteisprecherin am Montag.

Die Polizei wies die Angaben zurück. Weder der Geheimdienst noch die Polizei seien gegen die Vaterlandspartei vorgegangen, hieß es. Die proeuropäische Partei führt die seit Wochen andauernden Proteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch mit an.

Nach Informationen von ZEIT ONLINE haben Augenzeugen allerdings das Polizeiemblem auf der Verkleidung der Einbrecher erkannt. Mitglieder der Sondereinheit hätten demnach vor dem Gebäude gewartet, während etwa 15 Männer in den Parteisitz eindrangen. Türen und Fenster seien eingeschlagen worden. Die Männer hätten einen Hausmeister niedergeschlagen und im Gebäude nach dem Server der Partei gesucht. Nach etwa einer Stunde hätten die Bewaffneten das Gebäude wieder verlassen.

Die Polizei hatte zuvor die Einsatzkräfte massiv verstärkt und mehrere Lager von regierungskritischen Demonstranten eingekreist, erste Barrikaden wurden abgebaut. Die Oppositionspartei Udar (Schlag) von Boxweltmeister Vitali Klitschko räumte aus Angst vor einer Erstürmung durch Sicherheitskräfte ihre Parteizentrale.  Vor dem von Demonstranten besetzten Rathaus in Kiew zogen etwa 200 Bereitschaftspolizisten auf. Führende Vertreter der Opposition riefen die Demonstranten dazu auf, die besetzten Gebäude zu verlassen, um Zusammenstöße zu verhindern. Ein Gericht hatte den Demonstranten bis zum Montag Zeit gegeben, ihre Besetzung aufzugeben.

Inzwischen sind auch die U-Bahnstationen in der Nähe des zentralen Maidan-Platzes erneut blockiert worden. Ebenso Geschäfte, die normalerweise durchgängig geöffnet haben, wurden geschlossen. Augenzeugen vermuten, dass die Polizei das Rathaus stürmen könnte.


US-Vizepräsident Joe Biden hat inzwischen mit Präsident Viktor Janukowitsch telefoniert und ihn aufgefordert die Situation zu beruhigen. "Gewalt hat keinen Platz in einer demokratischen Gesellschaft und ist inkompatibel mit unserer strategischen Partnerschaft", sagte Biden laut einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Auch der amtierende deutsche Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten. "Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit muss von allen staatlichen Organen geschützt werden, die Proteste dürfen nicht für Akte der Gewalt missbraucht werden", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. 

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton will von diesem Dienstag an versuchen, zwischen den verfeindeten politischen Lagern in der Exsowjetrepublik vermitteln. Dafür ist ein zweitägiger Aufenthalt in Kiew vorgesehen.