Der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi , ist zum neuen Vorsitzenden der italienischen Regierungspartei PD gewählt worden. Der 38-Jährige kam am Sonntagabend nach Auszählung von etwa drei Vierteln aller Bezirke auf 68 Prozent der Stimmen. Die Demokratische Partei von Ministerpräsident Enrico Letta hatte per Urwahl über ihren neuen Chef abgestimmt.

Renzi bedankte sich in einer ersten Ansprache und betonte, Millionen Italiener hätten die Antwort darauf gegeben, was sie sich für die Zukunft des Landes wünschten. Regierungschef Enrico Letta sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, er wünsche sich von Renzi eine Zusammenarbeit im "fruchtbaren Teamgeist".

Renzi hatte sich klar gegen seine Mitbewerber Gianni Cuperlo und Giuseppe Civati durchgesetzt, die jeweils nicht einmal 20 Prozent der Stimmen erhielten. Renzi hat es sich zum Ziel gesetzt, eine grundlegende Reform der Politik in Italien herbeizufühen. 

An der Wahl durften sich nicht nur alle Parteimitglieder, sondern alle Italiener beteiligen, die dafür einen Unkosten-Beitrag von zwei Euro zahlten. Mehr als 2,5 Millionen Bürger haben gewählt.

Letta hatte nicht Renzi, sondern Cuperlo unterstützt. Renzi pflegt einen politischen Stil, der von US-Präsident Barack Obama und dem früheren britischen Premierminister Tony Blair inspiriert ist. Zu den Grundsätzen seiner Politik zählen der Abbau von Bürokratie und die Verringerung öffentlicher Ausgaben.

Der damalige PD-Vorsitzende Pierluigi Bersani hatte im Frühjahr zurücktreten müssen, nachdem er mit dem Versuch gescheitert war, mit einer äußerst knappen Parlamentsmehrheit eine Regierung zu bilden. Seither wurde die Parteiführung kommissarisch von Guglielmo Epifani ausgeübt.

Ministerpräsident Letta will am Mittwoch seine Regierungsmehrheit im Parlament bestätigen lassen, nachdem Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi mit einem Teil seiner konservativen Gefolgsleute in die Opposition gewechselt war. Letta steht seit April an der Spitze der ersten Regierung Italiens, die linke und rechte Kräfte in einem Kabinett vereint.