Kreml-Chef Wladimir Putin hat in Moskau gesagt, er werde den seit zehn Jahren inhaftierten Michael Chodorkowski in Kürze begnadigen. Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzern Jukos habe ein Gnadengesuch gestellt, das er unterschreiben werde, sagte Putin der russischen Staatsagentur. Chodorkowskis Anwalt sagte hingegen, sein Mandant habe nicht um Begnadigung gebeten.

Grund für den Straferlass sei auch der schlechte Gesundheitszustand von Chodorkowskis Mutter. "Er beruft sich auf humanitäre Umstände: Seine Mutter ist krank", sagte Putin. In der New York Times schrieb Chodorkowski vor drei Wochen: "Meine Mutter ist nun fast 80 Jahre alt, sie ist erneut an Krebs erkrankt und muss operiert werden." Angesichts seiner Haftstrafe schrieb der Kreml-Kritiker weiter: "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir uns nie mehr in Freiheit sehen."

Zuvor hatte Putin vor Journalisten gesagt, er sehe keine Perspektive für einen dritten Prozess gegen Chodorkowski. "Ich verstehe insgesamt nicht so richtig, wo da noch ein Fall sein soll. Ich habe gehört, dass darüber gesprochen wird. Aber bis jetzt sehe ich keine Bedrohung hier für jemanden", sagte der Kreml-Chef.

Voraussichtlich im August 2014 wäre Chodorkowski aus dem Straflager entlassen worden, nachdem der oberste Gerichtshof Russlands Anfang August dieses Jahres entschieden hatte, die Haftzeit des früheren Milliardärs um zwei Monate zu reduzieren.

Moskauer Ermittler hatten zuletzt davon gesprochen, ein neues Verfahren gegen Chodorkowski vorzubereiten. "Tatsächlich wird gegen ihn und eine Reihe anderer Personen in mehreren Strafsachen ermittelt, die eine gute gerichtliche Perspektive haben", hatte Vizegeneralstaatsanwalt Alexander Swjaginzew Anfang Dezember gesagt.

Chodorkowski wurde 2003 festgenommen und 2005 zu acht Jahren Haft verurteilt, weil er Steuern hinterzogen haben soll. In einem zweiten Verfahren sprach ein Gericht den Jukos-Chef sowie seinen Geschäftspartner Platon Lebedew 2010 wegen Unterschlagung schuldig. Das Vorgehen gegen den Putin-Kritiker wurde international immer wieder kritisiert.