Der Enthüller der groß angelegten Datenspionage der USA , Edward Snowden, will Brasilien erneut um Asyl bitten. Als Gegenleistung könne er dem Land neue Informationen über die Spionage-Aktivitäten des US-Geheimdiensts NSA geben. Das teilte Snowden der Zeitung Folha de São Paulo zufolge in einem offenen Brief mit.

In dem Brief schreibt Snowden, brasilianische Senatoren hätten ihn um Hilfe bei der Aufklärung gebeten und er sei gewillt, sie zu unterstützen. Dies sei aber erst mit dauerhaftem Asyl möglich: "Solange mir kein Land permanentes Asyl gewährt, wird die US-Regierung weiterhin auf meine Möglichkeit zu sprechen Einfluss nehmen." Snowdens derzeitiges Asyl in Russland läuft Mitte 2014 aus.

Weiter schreibt Snowden , es gebe große Unterschiede zwischen legitimer Spionage gegen Individuen und der Massenüberwachung der NSA. Die Programme seien niemals gegen Terrorismus ausgerichtet gewesen, sondern auf Wirtschaftsspionage, soziale Kontrolle und diplomatische Manipulation. Neben anderen Staats- und Regierungschefs hatte die NSA mutmaßlich auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff abgehört.

Laut Folha soll der Brief Teil einer Onlinekampagne der Nichtregierungsorganisation Avaaz werden. Leiter der Kampagne soll der Brasilianer David Miranda sein, der Lebensgefährte des in Rio de Janeiro lebenden Journalisten Glenn Greenwald , über den viele der Snowden-Enthüllungen publik wurden.

USA wollen Snowden weiter den Prozess machen

Die USA fordern weiter eine Rückkehr von Snowden, stellte Regierungssprecher Jay Carney klar. Der Vertreter der NSA, der sich für einen Straferlass ausgesprochen hatte, habe seine private Meinung geäußert, sagte Carney. Präsident Barack Obama habe seine Haltung nicht geändert. Demnach soll sich Snowden in den USA wegen Verbrechen vor Gericht verantworten. Sollte Russland ihn überstellen, würde er einen fairen Prozess bekommen, sagte Carney.

Snowden hatte sich Anfang des Jahres zunächst nach Hongkong abgesetzt und war dann nach Russland geflogen. Dort saß er wochenlang am Flughafen Scheremetjewo fest, weil die USA seinen Pass für ungültig erklärten. Anfang August erhielt er Asyl in Russland, das ein Jahr gültig ist. Zuvor hatte Snowden in insgesamt 27 Ländern Asyl beantragt, unter anderem Deutschland und Brasilien. Damals hatte die brasilianische Regierung den Antrag abgelehnt