Angesichts der anhaltenden Gewalt im Südsudan hat die Bundeswehr fast 100 Deutsche und andere Ausländer aus dem afrikanischen Krisenland in Sicherheit gebracht. Eine Transportmaschine des Typs Transall flog am Freitag zwei Mal von der südsudanesischen Hauptstadt Juba nach Entebbe ins Nachbarland Uganda . Zu den Passagieren des zweiten Evakuierungsflugs zählte auch der deutsche Botschafter, der ursprünglich im Land bleiben sollte.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte: "Der deutsche Botschafter ist zur Begleitung der Deutschen, die heute evakuiert wurden, mit nach Entebbe geflogen." Über seine Rückkehr würde anhand der Lage entschieden werden. Zwölf Bundeswehrsoldaten, die an einer UN-Friedensmission im Südsudan teilnehmen, bleiben vorerst im Land.

Dem Südsudan droht ein Bürgerkrieg. Bei einem Überfall auf einen UN-Stützpunkt in Akobo waren am gestrigen Donnerstag neben zwei Blauhelm-Soldaten auch mindestens 20 Zivilisten getötet worden. Der Stützpunkt war von etwa 2.000 Kämpfern angegriffen worden. Zwei der dort stationierten Soldaten wurden bei dem Angriff getötet. 

Obama warnt vor Bürgerkrieg

Angesichts der anhaltenden Kämpfe forderte US-Präsident Barack Obama die Konfliktparteien zu Verhandlungen und einem Ende der Kampfhandlungen auf. "Südsudan steht am Abgrund", sagte Obama. Er erinnerte in der vom Weißen Haus veröffentlichten Stellungnahme an die Staatsgründung des Südsudans 2011, als die Bürger sich für die Abspaltung vom Sudan entschieden. Nach einem jahrelangen Teufelskreis der Gewalt hätten alle auf Frieden und Wohlstand gehofft. Nun drohe das Land in die dunklen Tage seiner Vergangenheit zurückzufallen.

In einem Brief an die Spitzen des Kongresses hatte Obama die Entsendung von etwa 45 US-Soldaten in den Südsudan mitgeteilt. Diese seien bereits am Mittwoch aufgebrochen, um die US-Bürger und die Botschaft im Südsudan zu schützen.

Hintergrund der Unruhen ist ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Die größte Gefahr besteht darin, dass sich die Kämpfe zum Bürgerkrieg zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ausweiten. Kiir gehört der Volksgruppe der Dinka an, die die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung) dominieren. Machar ist ein Lou Nuer.