Die Bundeswehr hat angesichts der Sicherheitslage im Südsudan damit begonnen, 50 bis 100 Deutsche aus dem afrikanischen Staat zu evakuieren. Die USA hatten bereits zuvor mehr als 150 US-Bürger und Diplomaten aus dem Land geflogen. Auch Bürger anderer Nationen seien gemeinsam mit den Amerikanern in Sicherheit gebracht worden. Darunter haben sich auch etwa 160 Deutsche befunden. 

Eine Transall-Transportmaschine, die derzeit im westafrikanischen Mali eingesetzt wird, und ein kleines Passagierflugzeug sind gestartet, um die verbliebenen Deutschen aus dem Südsudan zu holen. Das sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Großbritannien hat angekündigt, eine Luftbrücke einzurichten, wie die BBC unter Berufung auf das Außenministerium in London berichtete.

Nach einem Bericht der Rheinischen Post ist auch die Bundeswehr zwischen die Fronten rivalisierender Parteien geraten. Der Chef des Einsatzführungskommandos, General Hans-Werner Fritz, der sich mit einer zehnköpfigen Delegation auf einer Inspektionsreise befinde, sitze in dem afrikanischen Land fest. Auch sie sollen nun evakuiert werden.

Seit dem Wochenende kommt es in dem afrikanischen Staat immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Truppenteilen der Armee. Wie die Zeitung Sudan Tribune unter Berufung auf Angaben der Streitkräfte berichtet, hat die südsudanesische Armee die Kontrolle über die wichtige Stadt Bor im Osten des Landes an einen oppositionellen General verloren. Die UN gehen davon aus, dass inzwischen mehrere Hundert Menschen getötet wurden. Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag eine Reisewarnung ausgesprochen und Deutsche zum Verlassen des Landes aufgefordert.

Bei den Kämpfen geht es um einen Machtkampf zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Kiir wirft Machar vor, die Regierung stürzen zu wollen. Der Präsident hatte sich am Mittwochabend zu einem Gespräch mit seinem Rivalen bereit erklärt. Er wolle sich mit Maschar treffen und nach einem Ausweg aus der Krise suchen, sagte Kiir.

Experten warnen vor einem neuen Bürgerkrieg in dem jungen Land, das sich erst 2011 vom Nachbarn Sudan abgespalten hatte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich besorgt über die Unruhen. "Das ist eine politische Krise, in die sofort mit politischem Dialog eingegriffen werden muss", sagte Ban.