Die Vereinten Nationen werden weitere Soldaten in den Südsudan schicken. Der UN-Sicherheitsrat beschloss einstimmig, zusätzliche 5.500 Soldaten zu entsenden. Bisher waren schon 7.000 UN-Soldaten im Südsudan stationiert. Auch das internationale Polizeikontingent soll von 900 auf 1.323 angehoben werden.

Um die Truppen aufstocken zu können, verlegt der Sicherheitsrat zeitweilig Soldaten und Polizisten von den UN-Missionen im Kongo, in Darfur, Abyei, der Elfenbeinküste und Liberia in den Südsudan.

Darüber hinaus verurteilte der Sicherheitsrat in seiner Resolution die Kämpfe und die Gewalt gegen Zivilisten und Vertreter verschiedener Volksgruppen. Er forderte ein "sofortiges Ende der Feindseligkeiten und die sofortige Eröffnung des Dialogs".

Hinweise auf Kriegsverbrechen

Unterdessen wird das Ausmaß der Gewalt zwischen den verfeindeten Volksgruppen im Südsudan immer offensichtlicher: In der umkämpften Stadt Bentiu in der Provinz Unity entdeckten UN-Mitarbeiter ein Massengrab. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen sind binnen einer Woche Tausende Menschen getötet worden.

Aus seiner Sicht bestehe "kein Zweifel" daran, dass die Zahl der Toten "in die Tausende" gehe, sagte der stellvertretende Leiter der UN-Mission im Südsudan (UNMiss), Toby Lanzer, vor Journalisten in der Hauptstadt Juba. Seit Tagen wird die offizielle Opferzahl mit 500 angegeben. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen befürchten, dass die Zahl weit höher ist. Augenzeugen berichteten zudem von Gräueltaten wie gezielten ethnischen Massentötungen und Vergewaltigungen.

In dem Grab in Bentiu wurden laut einer Sprecherin der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte 14 Leichen gefunden, 20 weitere lagen an einem nahe gelegenen Fluss. Sie gehörten den Angaben zufolge alle der Volksgruppe der Dinka an und waren Mitglieder der Volksbefreiungsarmee, der früheren sudanesischen Rebellentruppe und jetzigen südsudanesischen Regierungspartei.

Hintergrund der vor zehn Tagen ausgebrochenen Gefechte im Südsudan ist die Eskalation des Machtkampfs zwischen Präsident Salva Kiir – ebenfalls ein Dinka – und seinem im Juli abgesetzten Stellvertreter Riek Machar, der der Volksgruppe der Nuer angehört.

Wer für die Tötung der Dinka in dem Massengrab verantwortlich ist, sei unklar, sagte UN-Hochkommissarin Navi Pillay. Mitarbeiter der Vereinten Nationen ermittelten in dem Fall. Ihnen lägen Berichte von rund 40 weiteren vermissten Menschen in Bentiu vor, die möglicherweise auch tot seien, sagte Pillays Sprecherin. Zudem gebe es unbestätigte Berichte über zwei weitere Massengräber in Juba.

Offensive der Regierungstruppen

Informationsminister Michael Makuei Lueth sagte, die Regierungstruppen seien nicht für das Massengrab in Bentiu verantwortlich. "Bentiu ist unter der Kontrolle des Rebellenführers Riek Machar. Wir haben also mit dieser Gegend nichts zu tun."

Die Regierungstruppen kündigten aber an, die Rebellen aus ihren Hochburgen zu vertreiben. Zunächst wolle man Bor, eine weitere von den abtrünnigen Soldaten gehaltene Provinzhauptstadt, erobern und anschließend nach Bentiu marschieren, sagte Militärsprecher Philip Aguer. In Bor hätten sich allerdings Bewaffnete in einem UN-Lager mit 17.000 Flüchtlingen verschanzt, was den Kampf erschwere.

Die USA und Äthiopien versuchen, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch Großbritannien entsandte mit Simon Gass einen hochrangigen Diplomaten, wie das Außenministerium in London mitteilte. Präsident Kiir und Machar sollen sich zu einem Treffen bereit erklärt haben, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Weitere Details wurden nicht genannt.