Seit Beginn der Kämpfe im Südsudan vor zwei Wochen sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 120.000 Menschen auf der Flucht. Etwa 63.000 Menschen hätten in mehreren Städten Zuflucht bei den UN-Stützpunkten gefunden, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) mit.

Allein 25.000 Flüchtlinge befänden sich in der Hauptstadt Juba unter dem Schutz der UN. Die Verteilung von Hilfsgütern sei wegen der höchst unsicheren Lage schwierig. Es gebe Hinweise, dass einzelne Depots mit Hilfsgütern geplündert worden seien, berichtete OCHA.

Tausende Menschen starben seit dem Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern von Präsident Salva Kiir und des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar, schätzen die Vereinten Nationen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf: "Das Morden muss ein Ende haben." Keine der beiden Seiten dürfe sich den Vermittlungsbemühungen der ostafrikanischen Staaten entziehen. Die Weltgemeinschaft habe den Südsudan auf seinem friedlichen Weg in die Unabhängigkeit begleitet: "Jetzt tragen die Politiker des Südsudan gemeinsam die Verantwortung dafür, dass ihr junger, unabhängiger Staat nicht in Chaos und Elend versinkt."

Die Regierung des Südsudans ist nach Angaben der Nachbarländer zu einem Waffenstillstand bereit. Bei einem Treffen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi wurde am Freitag die Ankündigung der südsudanesischen Regierung begrüßt, "unverzüglich die Gewalt zu beenden", wie Äthiopiens Außenminister Tedros Adhamon sagte. Die Teilnehmer forderten die Rebellen auf, ebenfalls eine entsprechende Ankündigung zu machen. Die Erwartungen an den Krisengipfel in Nairobi sanken allerdings, weil Südsudans Präsident Salva Kiir dem Treffen fernblieb.

Blauhelme sollen bald Verstärkung bekommen

Die Chefin der UN-Mission im Südsudan, Hilde Johnson, erwartet eine baldige Verstärkung der Blauhelme. Die ersten zusätzlichen Soldaten würden bereits vor Sonntag eintreffen, sagte sie der BBC. Der UN-Sicherheitsrat hatte an Weihnachten beschlossen, die Zahl der Soldaten unter UN-Mandat um 5.500 auf 12.500 zu erhöhen.

Hintergrund des Konflikts im Südsudan ist ein Machtkampf zwischen Präsident  Kiir und seinem ehemaligen Vize Machar. Da beide unterschiedlichen Völkern angehören, droht sich der Konflikt zu einem Bürgerkrieg auszuweiten. Kiir gehört zur Ethnie der Dinka, die etwa 40 Prozent der Bevölkerung im Südsudan stellt, Machar ist Nuer. Die Vereinten Nationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen und Völkermord vor.