Bei den jüngsten Kämpfen im Südsudan sind einem UN-Vertreter zufolge bis zu 500 Menschen getötet worden. In die Krankenhäuser der Hauptstadt Juba seien 400 bis 500 Leichen eingeliefert worden, soll der Leiter der UN-Friedenseinsätze, Hervé Ladsous, vor dem Sicherheitsrat in New York gesagt haben. Die Zahlen wollte der französische UN-Botschafter und derzeitige Sicherheitsratsvorsitzende Gerard Araud jedoch zunächst nicht bestätigen. Er sagte aber: "Wir sind extrem besorgt. Es gibt offensichtlich einen hohen Blutzoll."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir am Dienstag telefonisch seine Besorgnis über die Kämpfe übermittelt und zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. Rund 13.000 Zivilisten hätten bereits in den Gebäuden der UN in Juba Schutz gesucht.

Die Eskalation ist laut dem südsudanesischen Präsident Salva Kiir die Folge eines Putschversuchs von Soldaten, die treu zu seinem Exstellvertreter Riek Machar stünden. Nach einem Machtkampf hatte Kiir seinen Vize im Juli gefeuert. Machar übte offen Kritik am Staatschef, nannte ihn einen Alleinherrscher und kündigte eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2015 an.

Die Armee habe zehn Personen mit Verbindungen zum Putschversuch festgenommen, nach fünf weiteren werde noch gefahndet, teilte die Regierung mit. Machar sei offenbar untergetaucht.

Zivilisten sind bei den Kämpfen nach Einschätzung der UN bislang nicht ins Visier geraten. Es handele sich vielmehr um "interne Kämpfe zwischen Soldaten", sagte UN-Botschafter Araud. In einer Erklärung aus dem Büro Bans hieß es allerdings, den Generalsekretär treibe die tiefe Sorge über "das Risiko gezielter Gewalt gegen bestimmte Gemeinschaften" um.

Ähnlich äußerte sich auch der UN-Sicherheitsrat. Die Regierung im Südsudan sei aufgerufen, "in den Dialog mit ihren Gegnern zu treten und Differenzen friedlich zu lösen, damit jegliche Ausbreitung der aktuellen Gewalt vermieden" werde, erklärte das höchste UN-Gremium.

Die USA forderten ihre im Südsudan lebenden Staatsbürger auf, das Land umgehend zu verlassen. Die Botschaft in Juba stellte ihre Arbeit vorübergehend ein.