Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommission hat der Regierung in Syrien vorgeworfen, systematisch Menschen verschwinden zu lassen und mit dieser Kriegstaktik bewusst ein Klima der Angst in der Bevölkerung zu schaffen. Die gewaltsame Taktik sei "Teil einer breitangelegten Terrorkampagne gegen die Zivilbevölkerung", heißt es in einem Bericht der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission. Es weise vieles darauf hin, dass dies "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit " darstelle.

Reguläre Sicherheitskräfte und regierungstreue Milizen ließen seit Beginn der Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 immer wieder gezielt Oppositionelle verschwinden, heißt es in dem Bericht. Viele Familien wüssten nicht, ob ihre Angehörigen in Haft oder bereits tot seien. Die Opfer müssten Folter und Misshandlungen erdulden. Bis Anfang 2012 seien vor allem Männer zwischen 16 und 40 Jahren bei Demonstrationen verschleppt worden, seitdem habe sich die Zielgruppe aber erweitert, schreibt die Kommission.

Inzwischen würden auch Zivilisten in oppositionstreuen Vierteln und Angehörige bekannter Rebellen verschleppt. Patienten aus Rebellengebieten, die zur Behandlung in staatliche Krankenhäuser kamen, seien festgenommen worden. Ebenfalls verschleppt wurden Ärzte, die in Rebellengebieten gearbeitet hatten. Aus dem Umfeld der Kommission hieß es, diese habe gut 100 Fälle dokumentiert, doch liege die Zahl der Verschwundenen vermutlich eher bei mehreren Tausend.

Zunehmend auch Geiselnahmen von Ausländern und Journalisten

Die Ermittler beklagen außerdem, dass die Zahl der Geiselnahmen durch Rebellen zunimmt. Die Täter wollten damit Gesinnungsgenossen aus den Gefängnissen freipressen oder Lösegelder erzielen, hieß es. Unter den Opfern der Rebellen befänden sich auch Ausländer, etwa Journalisten . Die Geiselnahmen seien Kriegsverbrechen. 

Die UN-Kommission unter dem Vorsitz des brasilianischen Diplomaten Paulo Sérgio Pinheiro untersuchte den Zeitraum vom Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 bis zum November 2013. Die Ermittler stützen sich auf Interviews mit Betroffenen und Überläufern, die sie außerhalb Syriens führten. Die Regierung in Damaskus verweigerte dem UN-Team die Einreise. 

Der Kommission gehört auch die ehemalige Chefanklägerin des Jugoslawien-Tribunals, die Schweizerin Carla Del Ponte, an. Der UN-Menschenrechtsrat setzte die Kommission 2011 ein, um Verbrechen im Syrien-Konflikt untersuchen. In dem Bürgerkrieg kamen bereits weit mehr als 100.000 Menschen ums Leben, mehrere Millionen Syrer sind auf der Flucht.