Unbekannte haben in Syrien die Menschenrechtsanwältin und Sacharow-Preisträgerin Razan Zeitouneh entführt. Gemeinsam mit drei weiteren prominenten Aktivisten wurde sie aus dem Gewalt-Dokumentationszentrum in Duma verschleppt. Bewaffnete Männer überfielen das Büro und brachten Razan Zeitouneh, Samira al-Chalil, Wael Hamadeh und Nassim al-Hamadi am Dienstag in ihre Gewalt, teilte das Netzwerk Lokale Koordinationskomitees mit.  

Die Komitees vermuten eine Rebellengruppe hinter der Entführung. In der Region östlich von Damaskus, die seit Monaten zwischen Regierungstruppen und Rebellen umkämpft wird, sind auch radikale islamistische Gruppen wie die Al-Nusra-Front aktiv. 

Zeitouneh hatte immer wieder auf Menschenrechtsverletzungen in Syrien aufmerksam gemacht. Vor allem in der Anfangsphase der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad gehörte sie zu den prominentesten Regierungskritikern. Für ihr Engagement wurde sie im Dezember 2011 mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet. Der ebenfalls entführte Wael Hamada ist ihr Ehemann. 

Zeitouneh und das Gewalt-Dokumentationszentrum spielten eine wichtige Rolle, als es darum ging, Informationen über einen Giftgasangriff im syrischen Al-Ghuta Al-Scharkija zu beschaffen. Bei dem Angriff, der den Truppen Baschar al-Assads zugeschrieben wurde, kamen mehrere Hundert Zivilisten ums Leben. Er hatte dazu geführt, dass die USA eine militärische Intervention in Syrien erwogen. Das konnte Damaskus dadurch verhindern, dass es seine Chemiewaffen zur Vernichtung freigab.