Wenn das Wetter Schuld ist an menschlichem Leid, ist keiner Schuld. Wenn es regnet, wird man nass. Wenn es schneit, friert man. So ist das eben.

Diesmal nicht. Es schneit in Syrien. In Jordanien, im Libanon, in der Türkei. 2,5 Millionen Flüchtlinge zittern im Schneematsch, waten durch schlammige Seen und dürfen in manchen Lagern nicht einmal Öfen entzünden – wegen der Brandgefahr. Im Libanon verhindert die Regierung sogar, dass sie ihre Zelte gegen bessere, permanente Unterkünfte eintauschen. Aus Angst, die Flüchtlinge könnten bleiben.

Dagegen helfen keine schlauen Gedanken und weltpolitische Analysen. Aber Decken. Brennstoff. Winterkleidung. Und Geld für das UN-Flüchtlingshilfswerk und andere Hilfsorganisationen, damit sie diese Sachen kaufen können.

Es hilft auch, die Flüchtlinge als Menschen anzuerkennen, die wie jeder ein Recht auf Schutz und Obdach haben. Die Innenminister der Bundesländer haben gerade beschlossen, weitere 5.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Von 2,5 Millionen. Während des Bosnienkrieges lebten 320.000 Flüchtlinge in Deutschland. Das Land ist daran nicht Bankrott gegangen.

Für solche Hilfen braucht es keine komplizierten Debatten darüber, wer wo steht in diesem Bürgerkrieg. Oder darüber, wer da eigentlich mit welchen Motiven gegen wen kämpft und ob es überhaupt eine Chance gibt, Syrien jemals wieder zu befrieden. Es ist einfach eine Sache des Anstands. Man lässt niemand schutzlos im Regen stehen. Im Schnee schon gar nicht.