Regen ist ein Zeichen für den Segen der Ahnen, glauben viele Südafrikaner. Das schlechte Wetter bei der Trauerfeier für Nelson Mandela konnte die feierliche Stimmung im Johannesburger FNB-Stadion daher nicht trüben. Zehntausende tanzten und sangen unter ihren bunten Regenschirmen, viele seit den frühen Morgenstunden. Junge und alte Südafrikaner waren gekommen, weiße und schwarze, arme und wohlhabende. Christen und Juden, Muslime und Hindus beteten gemeinsam. "Madiba hätte es gefreut, diese Vielfalt zu sehen", sagte Thanduxolo Mandela, der Sprecher der Familie.

US-Präsident Barack Obama würdigte Südafrikas verstorbenen früheren Präsidenten als großes Vorbild. Mandela habe seine "Nation zur Gerechtigkeit geführt", sagte Obama in Johannesburg .  Der US-Präsident verglich die politische Leistung Mandelas mit dem Lebenswerk des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi , des großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Mandelas Kampf gegen Unterdrückung und sein Einsatz für Freiheit und Demokratie stellten ihn in eine Reihe mit diesen historischen Größen.   

Dagegen wurde Südafrikas Präsident Jacob Zuma mehrfach ausgebuht. Selbst während der ersten Ansprachen kam es zu heftigen Schmähungen vieler Gäste, sobald das Bild Zumas auf den Stadion-Bildschirmen gezeigt wurde.

Historischer Handschlag von Obama und Castro

Am Rande der Zeremonie kam es zu einer historischen Begegnung von Obama und dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro . Die Staatschefs beider Länder, deren Beziehungen seit Beginn der 1960er Jahre angespannt sind, schüttelten einander die Hände. Castro lächelte, als Obama auf dem Weg zum Podium seine Hand ergriff. Zu der in der jüngeren Geschichte beispiellosen Geste kam es auf Obamas Weg zum Rednerpult. Der US-Präsident wolle dies als Zeichen seines guten Willens verstanden wissen, sich Feinden der USA anzunähern, erklärte ein US-Regierungsvertreter.

Kurz darauf kritisierte Obama in seiner Rede allerdings auch, dass es in der Welt weiterhin zu viele Staatsmänner gebe, "die sich mit dem Freiheitskampf von Nelson Mandela solidarisch zeigen, aber in ihren eigenen Ländern keine Opposition dulden". Neben Castro waren unter den Dutzenden Staats- und Regierungschefs mehrere autoritäre Herrscher bei der Zeremonie im Stadion.  

"Die ganze Welt kommt nach Südafrika"

Zur Trauerfeier in Johannesburg waren 70 amtierende und zehn ehemalige Staats- und Regierungschefs zusammengekommen. Das für 90.000 Menschen ausgelegte WM-Stadion war nicht ganz gefüllt, die Menschen besangen und feierten aber lautstark ihr Idol.

Die Zeremonie begann mit der südafrikanischen Nationalhymne und einem interreligiösen Gebet. Danach kamen Angehörige Mandelas zu Wort. Seine Witwe Graça Machel wurde unter großem Jubel im Stadion von Johannesburg empfangen. Die 68-Jährige setzte sich mit weiteren Familienmitgliedern auf die Tribüne, äußerte sich aber nicht.

Als einer der ersten Redner trat Mandelas politischer Weggefährte im Anti-Apartheid-Kampf, Andrew Mlangeni, ans Mikrofon. Er würdigte Mandelas Weisheit und Loyalität. Madiba, wie er Mandela ehrenvoll bei seinem Clan-Namen nannte, schaue nun von oben auf sein geliebtes Südafrika, sagte er. "Es besteht gar kein Zweifel, dass er ein Lächeln im Gesicht hat, während er sein Land nun vereint sieht, ihm zu Ehren", sagte der langjährige Mithäftling Mandelas auf der Gefängnisinsel Robben Island.