Die türkische Regierung hat Kritik aus der EU zur türkischen Justiz und ihren Korruptionsermittlungen zurückgewiesen. Der neue türkische EU-Minister Mevlüt Çavuşoğlu forderte die Europäische Union auf, Voreingenommenheit zu vermeiden und Gelassenheit walten lassen. Die Türkei werde ihre Probleme auf demokratischem Weg lösen, teilte sein für die Beitrittsverhandlungen zuständiges Ministerium mit.

Nach einem Korruptionsskandal ist die regierende AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan in einem heftigen Machtkampf auch mit Kritikern aus der eigenen Partei verstrickt. Auch aus Deutschland ist Erdoğan in den vergangenen Tagen unter zunehmendem Druck geraten.

Der für die Beitrittsverhandlungen mit Ankara zuständige EU-Kommissar Stefan Füle hatte erklärt, er verfolge die Entwicklung "mit zunehmender Besorgnis". Die von der Regierung in Ankara beschlossenen Änderungen der Polizeiarbeit hätten "die Unabhängigkeit der Justiz und deren Handlungsfähigkeit untergraben". Die Justiz müsse unabhängig arbeiten können. Er sei über die Amtsenthebungen einer größeren Zahl von Polizisten besorgt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte der Bild am Sonntag: "Wir vertrauen auf die Kraft des türkischen Staates, dass die im Raum stehenden Korruptionsvorwürfe ohne Ansehen der Person aufgeklärt werden." Die Türkei sei ein "überaus wichtiger Partner" für Deutschland.