Unter dem Druck der Protestbewegung in der Ukraine will Präsident Viktor Janukowitsch die Gespräche über das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, Janukowitsch habe ihn angerufen. Er habe ihn gefragt, ob er eine Delegation zur Diskussion von einzelnen Aspekten des Abkommens zur EU entsenden dürfe. Barroso stimmte dem nach eigenen Angaben zu. Er sagte aber nicht, wann ein solches Treffen stattfinden soll.

Der polnische Präsident Bronisław Komorowski sagte, der Dialog werde neu eingeleitet. Teilnehmen solle der erste stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine, Serhij Arbusow. Möglicherweise könnte es auch um finanzielle Unterstützung gehen.

Während Janukowitsch demnach seine harte Linie aufweicht, übernahm der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow die Rolle des Hardliners: Er forderte EU und USA auf, die Stimmung in der früheren Sowjetrepublik nicht weiter anzuheizen. "Die Aktionen sind unkontrollierbar geworden, oder genauer: Gewisse politische Kräfte lenken sie", sagte Asarow während eines Treffens mit westlichen Diplomaten in Kiew.

Proteste mit Staatsstreich verglichen

Die Proteste trügen mittlerweile das "Merkmal eines Staatsstreichs", sagte Asarow. Dem engen Mitarbeiter von Präsident Janukowitsch droht am Dienstag bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament die Abwahl. 

Janukowitsch dagegen räumte in einem Fernsehinterview brutale Übergriffe von Sondertruppen auf friedliche Demonstranten in Kiew ein. "Man kann sagen, dass die Rechtsschutzorgane in der Nacht zum Samstag den Bogen überspannt haben", sagte der Staatschef. Die Polizei sei allerdings provoziert worden.

Über das Wochenende und am Montag hatten Hunderttausende Ukrainer gegen Janukowitschs Abkehr von der EU und gegen die Hinwendung zu Russland demonstriert. Janukowitsch hatte vor zwei Wochen überraschend das fast fertig ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt und das auch damit begründet, dass die Ukraine das Verhältnis zu Russland pflegen wollten. Die Opposition will den Präsidenten mit einem Misstrauensvotum stürzen. 

Der Europarat bot seine Hilfe bei der Suche nach einer Beilegung der Krise an . Alle Parteien in der Ukraine müssten die Gewalt beenden und zu einem friedlichen Dialog zurückfinden, erklärte der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland.