Außenminister Guido Westerwelle fliegt zu Gesprächen in die Ukraine . "Das ist eine zutiefst europäische Angelegenheit, was wir in der Ukraine beobachten", sagte der FDP-Politiker angesichts der anhaltenden Proteste pro-europäischer Demonstranten gegen die Regierung in Kiew . "Es ist erkennbar so, dass die Ukraine in großen internen Diskussionen ist. Hier muss sich Europa auch kümmern, denn es geht hier auch um Europa."

Westerwelle äußerte sich am Rande eines Treffens der Nato-Außenminister in Brüssel . Er kündigte an, am Ende der Beratungen nach Kiew zu fliegen, um an einer Tagung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ( OSZE ) teilzunehmen und auch bilaterale Gespräche in Kiew zu führen. Mit wem er sich in der ukrainischen Hauptstadt treffen wird, sagte der scheidende Minister nicht.

Auch der Europarat will im inner-ukrainischen Streit vermitteln. Generalsekretär Thorbjørn Jagland wollte sich dazu im Laufe des Tages in Kiew unter anderem mit Regierungschef Nikolai Asarow und den Vorsitzenden der Parlamentsparteien treffen. Ziel sei es, die Spannungen im Mitgliedsland des Europarates abzubauen und zu prüfen, ob ein Dialog möglich erscheint, teilte der Europarat mit.

Kerry warnt Janukowitsch

Auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz demonstrierten Tausende pro-westliche Ukrainer die 13. Nacht in Folge gegen Präsident Viktor Janukowitsch . Seit Tagen protestieren sie gegen die ukrainische Führung, die sich vor knapp zwei Wochen von der Europäischen Union überraschend abgewandt und die Unterschrift unter ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen verweigert hatte – offenbar unter massivem russischen Druck. Am Sonntag gingen rund 350.000 Menschen auf die Straße. Wiederholt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die teils äußerst brutal gegen Demonstranten vorgegangen war.

Dagegen gab es international Protest, auch aus Washington . US-Außenminister John Kerry hatte das harte Vorgehen der ukrainischen Polizei gegen Demonstranten verurteilt: "Wir fordern die ukrainische Regierung auf, ihrem Volk zuzuhören. Gewalt hat keinen Platz in einem modernen europäischen Staat." Kerry machte aber auch deutlich, dass es an der Ukraine liegt, den Konflikt selbst zu lösen.

Klitschko will weiter protestieren

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko gab sich entschlossen, den Druck auf Präsident Janukowitsch und Ministerpräsident Nikolai Asarow aufrecht zu halten. "So eine Stimmung hat es seit der orangen Revolution 2004 nicht mehr gegeben. Wir machen weiter mit unserem Kampf gegen diese korrupte Regierung", sagte er der Bild -Zeitung .

Klitschko äußerte die Hoffnung, dass Westerwelles Besuch in Kiew neue Bewegung in den Streit bringt. Er hoffe, "dass hier wieder neu über das EU-Assoziierungsabkommen gesprochen wird", sagte der Boxweltmeister zur Bild -Zeitung. "Die Menschen zeigen jeden Tag auf der Straße, dass sie zu Europa gehören wollen. Ein stärkeres Zeichen an die EU kann es nicht geben."

Janukowitsch in China und Russland

Derweil weilt der Präsident in China : Janukowitsch ist dort am Vormittag zu einem dreitägigen Staatsbesuch eingetroffen, bei dem es weniger um die Proteste in seinem Land als um gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kiew und Peking gehen soll. Auf seiner ersten Station in der Stadt Xi'an unterzeichnete Janukowitsch bereits mehrere Wirtschaftsabkommen.

Um die prekäre wirtschaftliche Situation in seinem Land geht es auch bei seinem anstehenden Besuch in Moskau. Dorthin reist er dann Ende der Woche, auch um über mögliche Rabatte für russische Gaslieferungen zu verhandeln.