Abgeordnete der Opposition in der Ukraine haben das Rednerpult im Parlament besetzt. Sie erzwangen den Abbruch einer Sitzung und forderten den Rücktritt der Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch. "Wir werden das Parlament solange blockieren, bis die Regierung zurückgetreten und Julija Timoschenko freigelassen ist", sagte Arseni Jazenuk von der Partei der inhaftierten Exregierungschefin.

Am Dienstag hatte die Opposition eine Niederlage im Parlament erlitten: Ihr Misstrauensvotum gegen die Regierung scheiterte . Damit bleiben Ministerpräsident Nikolai Asarow und seine Minister im Amt. Asarow, der bei der Sitzung anwesend war, zeigte sich allerdings bereit, mit der Opposition zu sprechen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte unterdessen die Einmischung des Westens in die ukrainische Regierungskrise. Die Stellungnahme der Nato zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Kiew gebe ein völlig "verzerrtes Bild der Lage" wieder, sagte Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax. "Wir rufen dazu auf, dass sich niemand in diese Situation einmischt", sagte er. Das von Protesten erschütterte Land müsse seine "verfassungsmäßige Ordnung" wiederherstellen. Der Staat habe das Recht, gegen aggressive Demonstranten vorzugehen, sagte Lawrow.  

Die Nato hatte in einer am Dienstag verabschiedeten Erklärung Regierung und Opposition in der Ukraine zum Dialog aufgerufen und den Einsatz "exzessiver Gewalt" gegen Demonstranten verurteilt. "Wir rufen alle Seiten auf, von Provokationen und Gewalt Abstand zu nehmen", hieß es in der Mitteilung.

In Kiew protestieren seit Tagen Zehntausende gegen die Regierung , die sich nach russischem Druck überraschend von der Europäischen Union abwandte und die Unterschrift unter ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen verweigerte. Teilweise kam es bei den Demonstrationen zu schweren Ausschreitungen.