Die Bundesregierung hält die ukrainische Forderung nach EU-Hilfskrediten für ein Ablenkungsmanöver der Regierung in Kiew . "Mit dieser Forderung scheint die ukrainische Führung von ihrer alleinigen Verantwortung für die aktuelle und politische Lage ablenken zu wollen", sagte Vizeregierungssprecher Georg Streiter. Was wirtschaftliche Unterstützung vonseiten der EU angehe, so gelte unverändert: "Die Tür zu dem Assoziierungsabkommen ist offen", sagte Streiter.

Die Ukraine will von der Europäischen Union eine Zusage für Hilfskredite im Umfang von etwa 20 Milliarden Euro erwirken, hatte Ministerpräsident Nikolai Asarow am Mittwochmorgen verkündet. Mit Blick auf das gestoppte Assoziierungsabkommen mit der EU sagte Asarow bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung, "diese Angelegenheit" könne "durch das Angebot von finanzieller Unterstützung an die Ukraine gelöst werden". Die "ungefähre Größenordnung" liege bei 20 Milliarden Euro.

Die ukrainische Regierung hatte am gestrigen Dienstag angekündigt, eine Delegation nach Brüssel zu schicken, eine weitere Abordnung soll zu Gesprächen nach Moskau reisen. Präsident Janukowitsch hatte vor Wochen überraschend ein lange vorbereitetes Assoziierungsabkommen mit der EU abgelehnt. Darauf hatten vor allem in Kiew proeuropäische Demonstrationen begonnen, die bis heute andauern.

Auch während der Fernsehübertragung lieferten sich proeuropäische Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew heftige Auseinandersetzungen mit Berkut-Spezialeinheiten .

Zur aktuellen Zuspitzung in der Ukraine sagte Streiter: Die Bundesregierung rufe weiter "eindringlich zur Gewaltlosigkeit und zur Achtung des Versammlungsrechts auf". Erforderlich sei auch ein ernsthafter Dialog der ukrainischen Führung mit den Demonstranten, der Zivilgesellschaft und der Opposition. Die Bundesregierung unterstütze dabei die Mission der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton , die sich derzeit in der Ukraine aufhält.

Ashton zu Besuch in Kiew

Ashton, die das Zentrum der Protestbewegung in Kiew – den Unabhängigkeitsplatz Maidan – nur Stunden vor dem heutigen Polizeieinsatz besucht hatte, reagierte "mit Trauer" darauf, dass die Polizei Gewalt einsetze, "um friedliche Menschen zu vertreiben".

Es wäre nicht nötig gewesen, dass die Behörden im Schutze der Nacht handeln, sagte Ashton. Die EU-Delegation in Kiew teilte mit, sie versuche Kontakt zu den ukrainischen Behörden aufzunehmen, um "den Einsatz von Gewalt gegen einfache Bürger" zu verhindern.