Die Vereinten Nationen wollen die Zahl der im Südsudan stationierten Blauhelme nahezu verdoppeln. Der Sicherheitsrat berät über eine Resolution, die die Entsendung von 5.500 weiteren Soldaten und 423 Polizisten vorsieht. Bislang sind im Rahmen der Südsudan-Mission (UNMISS) 7.000 Soldaten und 900 Polizisten im Einsatz.

Eine Annahme der Resolution gilt als sicher. "Alle Staaten haben ihre Unterstützung signalisiert", sagte die US-amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power . Noch ist nicht bekannt, aus welchem Land die zusätzlichen Soldaten kommen könnten. Momentan sind vor allem indische Bataillone im Einsatz.

Die Aufstockung der Truppen solle rasch geschehen, sagte Frankreichs UN-Botschafter Gérard Araud, der derzeit den Vorsitz über den Sicherheitsrat hat. "Aber uns muss klar sein, dass noch viele Fragen zu klären sind. Das braucht Zeit." UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die 15 Ratsmitglieder in einer Sondersitzung um die Verstärkung gebeten.

Auf Twitter schrieb Power , die Zukunft des Südsudan sei in Gefahr. Zudem sagte sie, jeder im Südsudan sollte wissen, dass die Hochkommissarin für Menschenrechte mit der Dokumentation der Menschenrechtsverletzungen begonnen habe. "Viele mögen sich gerade unantastbar fühlen. Aber sie können sicher sein, dass wir die Gewalttaten festhalten."

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat die Kämpfenden im Südsudan dazu aufgerufen, die Waffen niederzulegen. "Alle politischen Akteure sollten sofort einen politischen Dialog beginnen, um ihre Streitigkeiten beizulegen", teilte Ashton mit. "Gewalt wird zu nichts führen." Auch Rebellen und Inhaftierte sollten daran teilhaben.

Bei den seit einer Woche andauernden Kämpfen in dem zentralafrikanischen Land kamen bislang mehrere Hundert Menschen ums Leben, darunter zwei indische Blauhelme . Nach Bans Angaben haben 45.000 Zivilisten auf UN-Stützpunkten Schutz gesucht. 100.000 Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Hintergrund der Auseinandersetzungen ist ein Machtkampf von Präsident Salva Kiir mit seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Kiir gehört der größten Volksgruppe des Landes, den Dinka, an. Diese dominieren die Regierungspartei Sudanesische Volksbefreiungsbewegung. Sein Rivale Machar gehört dagegen zum Volk der Lou Nuer.

Regierungstruppen sollen Rebellengebiete zurückerobern

Zuletzt entsandte die südsudanesische Regierung Soldaten in die Bundesstaaten Jonglei und Unity, die derzeit von Rebellen gehalten werden. Trotz der Truppenentsendung bliebe die Regierung gegenüber den Aufständischen aber verhandlungsbereit, sagte Außenminister Barnaba Marial. Das bestätigte der US-Sondergesandte Donald Booth nach einem Gespräch mit Kiir.

Der Südsudan hatte 2011 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom Sudan erreicht. Trotz reicher Ölvorkommen leben die meisten Menschen in extremer Armut. Viele Länder, darunter Deutschland , haben ihre Bürger aus dem Land ausgeflogen.