Die USA prüfen mögliche Sanktionen gegen die ukrainische Regierung als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Kiew. Die US-Regierung ziehe "bestimmte politische Optionen in Betracht, darunter auch Sanktionen", sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki. Noch sei aber keine Entscheidung getroffen worden.

Welche Form von Sanktionen dies sein könnten, ließ sie offen. In der Vergangenheit haben die USA in solchen Fällen oft Vermögen eingefroren oder ranghohe Regierungsvertreter mit Einreiseverboten belegt. 

Zuvor hatte sich US-Außenminister John Kerry "angewidert" über die Polizeigewalt geäußert. Diese sei "weder akzeptabel, noch ziemt es sich für eine Demokratie", sagte er.

Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei waren in der Nacht zum Mittwoch auf den von Demonstranten besetzten Unabhängigkeitsplatz in Kiew vorgerückt. Die Einsatzkräfte setzten Schlagstöcke gegen Demonstranten ein und zerstörten Barrikaden. Unter Druck der Regierungsgegner zogen sich die Polizisten später zurück

Die Demonstranten erwarten für die Nacht zum Donnerstag weitere Versuche der Polizei, den Platz zu räumen. Mit Schaufeln schütteten sie Schnee zu neuen Barrikaden auf und verstärkten die Bollwerke mit Sandsäcken, Metallstangen und Ästen.

Der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow sagte, es werde keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten geben. Auch Innenminister Witalij Sachartschenko erklärte, dass der Unabhängigkeitsplatz nicht geräumt werden solle. Die Polizei schloss allerdings eine neue gewaltsame Räumung der wieder verstärkten Barrikaden im Stadtzentrum nicht aus.

Klitschko fordert Rücktritt von Janukowitsch

Die Opposition lehnte unterdessen das Gesprächsangebot von Präsident Viktor Janukowitsch ab . "Es gibt nur einen Ausweg: Die vollständige Auswechslung der Regierung sowie vorgezogene Parlaments- und Präsidentenwahlen", sagte Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko. Zudem müsse der Westen Sanktionen gegen die Regierungsmitglieder verhängen.

Gleichzeitig fordert die Opposition die Freilassung von festgenommenen Demonstranten. Am frühen Morgen seien mindestens 30 Regierungsgegner von der Polizei mitgenommen worden, sagte Klitschko. Nach Angaben der Opposition hat die Polizei mehrere Demonstranten, die bereits Ende November festgenommen wurden, wieder frei gelassen.

Die Proteste hatten vor drei Wochen begonnen, nachdem Janukowitsch ein unterschriftsreifes Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt und eine Hinwendung zu Russland angekündigt hatte. Die Opposition kämpft dagegen für einen pro-westlichen Kurs und fordert den Rücktritt der Regierung.