Der russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski ist gut zwei Wochen nach seiner Freilassung aus russischer Haft von Deutschland aus in die Schweiz gereist. Er kam am Sonntag in Begleitung von Frau und Kindern mit einem Zug aus Berlin in Basel an und reiste dann weiter.

Ob er sich dort dauerhaft niederlassen will, ist noch offen. Die Schweiz hatte Chodorkowski ein Visum für den Schengen-Raum ausgestellt, das für drei Monate gilt. Seine Familie danke dem Land für die Möglichkeit, Zeit miteinander verbringen zu können, erklärte ein Sprecher Chodorkowskis. Er sei auch dankbar "für die klare Haltung der Schweizer Behörden während der langen Jahre seiner ungerechtfertigten Haft".

Auch von der Schweiz aus werde er sich für die Befreiung politischer Gefangener in Russland einsetzen, sagte Chodorkowski während der Zugfahrt dem Schweizer Fernsehen SRF. Er wolle möglichst viel dafür tun, dass auch andere politische Gefangene frei kommen. "Man kann doch nicht ruhig leben, wenn man weiß, dass in Gefängnissen politische Gefangene schmoren", sagte der einstige Oligarch und bis vor kurzem noch prominenter politischer Häftling in Russland.

"Das ist das erste Mal seit zehn Jahren, dass ich mit meiner Frau und meiner Familie zusammen sein kann", sagte Chodorkowski. "Meine beiden jüngsten Söhne gehen in der Schweiz zur Schule und bald beginnt der Unterricht." Seine Frau Inna und die Zwillinge wohnen seit längerem in der Schweiz, die Tochter Anastasia lebt in Moskau.

Chodorkowskis Geld ist bereits in der Schweiz

Der Kreml-Kritiker, der als Ölunternehmer zum reichsten Mann Russlands aufgestiegen war, hat nach Berichten Schweizer Medien einen großen Teil seines Vermögens bei eidgenössischen Banken deponiert. Das Schweizer Bundesgerichts in Lausanne hatte 2004 Vermögenswerte des Russen in der Eidgenossenschaft wieder freigegeben, nachdem diese zunächst auf Antrag Moskaus blockiert worden waren.

Insgesamt waren nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur sda 6,2 Milliarden Franken (5,1 Milliarden Euro) des Yukos-Konzerns bei fünf Banken eingefroren worden. Dagegen hatten Chodorkowski und seine Yukos-Mitstreiter erfolgreich Beschwerde eingelegt. Das Bundesgericht wies den russischen Antrag in Sachen Yukos mit der Begründung zurück, der Kreml sei aus politischen Gründen gegen Chodorkowski vorgegangen.

Der ehemalige Öl-Unternehmer hatte am 20. Dezember nach zehn Jahren Haft vorzeitig das Straflager in Nordrussland verlassen dürfen. Daraufhin war er nach Vermittlung durch den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher direkt nach Berlin geflogen. Dort hatte er wenig später ein Visum für die Schweiz beantragt und erhalten. Damit kann er sich zunächst drei Monate lang in der Eidgenossenschaft aufhalten.