Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates erhebt nach Angaben des Magazins Foreign Policy schwere Vorwürfe gegen die Regierung von Präsident Barack Obama. Gates schreibe in seiner noch nicht veröffentlichten Biografie, dass die USA versucht hätten, die Präsidentschaftswahl in Afghanistan 2009 zu beeinflussen, heißt es. Mit einer Medienkampagne und politischer Unterstützung der Kandidaten sollte demnach eine Wiederwahl von Amtsinhaber Hamid Karsai verhindert werden. Gates selbst kritisiert dem Bericht zufolge diese Bemühungen als "unbeholfenen und gescheiterten Putsch".

Dem Bericht zufolge sollen der inzwischen verstorbene US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, sowie der damalige US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry, in den Manipulationsversuch verstrickt gewesen sein. "Holbrooke hat sein Bestes dafür gegeben, dass Karsai die Wahl verliert", wird Gates zitiert. Gemeinsam mit Eikenberry habe er mehrere Gegenkandidaten bei Wahlkampfveranstaltungen öffentlichkeitswirksam unterstützt und beraten.

Karsai habe von den Bestrebungen der USA gewusst, heißt es weiter. Dennoch gewann er die Wahl mit 54,6 Prozent der Stimmen. Doch auch gegen Karsai gab es Manipulationsvorwürfe. Sein stärkster Herausforderer, Abdullah Abdullah, boykottierte daraufhin die angesetzte Stichwahl – Karsai blieb im Amt. "Es war schlimm: Unser Partner, der Präsident von Afghanistan, war beschmutzt und auch unsere Hände waren schmutzig", wird Gates zitiert. 

US-Regierung bestreitet Vorwürfe

US-Regierungssprecherin Caitlin Hayden – eine ehemalige Beraterin von Eikenberry in Kabul – wies die Anschuldigungen als "kategorisch falsch" zurück. "Das Interesse der USA war ein stabiles Afghanistan mit glaubwürdigen Wahlen – nicht Sieg oder Niederlage bestimmter Kandidaten."

Das Verhältnis zwischen den USA und Afghanistan ist seit Längerem angespannt. So hatte Karsai sein Misstrauen gegenüber den USA im November letzten Jahres öffentlich gemacht. "Das Vertrauen zwischen mir und den USA ist nicht gut", sagte Karsai damals. "Ich traue ihnen nicht, und sie trauen mir nicht." Seine Amtszeit endet in diesem Jahr.

Am vergangenen Mittwoch war bereits bekannt geworden, dass Gates in seinen Memoiren die Afghanistan-Politik Obamas grundsätzlich kritisiert. "Der Präsident vertraut seinen Kommandeuren nicht, glaubt nicht an seine eigene Strategie und betrachtet den Krieg nicht als seinen eigenen", zitierte die Washington Post aus dem Buch Duty: Memoirs of a Secretary at War, das am 14. Januar erscheint. Obama sei "skeptisch, wenn nicht sogar regelrecht überzeugt" gewesen, dass seine Afghanistan-Strategie scheitern würde.