Bei Kämpfen gegen Al-Kaida im Westen des Iraks sind am Sonntag mindestens 34 irakische Soldaten und Zivilisten ums Leben gekommen. Darüber hinaus meldeten irakische Beamte 58 Verletzte aus der Provinzhauptstadt Ramadi. Wie viele Al-Kaida-Kämpfer starben, blieb unklar.

Al-Kaida-nahe Terroristen hatten in der westirakischen Provinz Al-Anbar die Städte Ramadi und Falludscha erobert. Die Terroristen gerieten in der Provinzhauptstadt Ramadi zwar unter Druck, doch in Falludscha kontrollierten die Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) konstant weite Teile der Nachbarstadt.

Die USA zeigten sich alarmiert. Außenminister John Kerry sagte, die ISIS-Terroristen, die sich fast ausschließlich vermummt zeigen, seien "die gefährlichsten Akteure in dieser Region". Ihre Barbarei gegen die Zivilisten könne jeder sehen. Er machte aber zugleich deutlich, dass die USA keine Soldaten zur Bekämpfung der Terroristen in den Irak schicken wollen. Die Regierung in Washington sei zwar sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung in Al-Anbar, sagte Kerry während seines Aufenthalts in Jerusalem. Doch: "Dieser Kampf ist Sache der Iraker."

Kerry sicherte dennoch Hilfe zu. Wie genau diese Hilfe aussehen könnte, ließ er offen. Die USA stünden in Kontakt mit sunnitischen Stammesführern in Anbar, die an der Seite von Regierungstruppen gegen die Extremisten kämpften, erklärte er. 

Die irakische Armee hatte zuvor angekündigt, die Al-Kaida-nahen Extremisten schnell aus Falludscha und anderen Gebieten der Provinz Anbar vertreiben zu wollen. Man werde dafür "zwei bis drei Tage brauchen", sagte der ranghohe Kommandeur Generalleutnant Raschid Fleih im Staatsfernsehen.

In der Provinzhauptstadt Ramadi waren keine Soldaten im Einsatz. Stammeskämpfer und lokale Polizeikräfte kämpften allein gegen die islamistischen Terroristen. Der Stammesführer Ahmed Abu Rischa sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, man habe die ISIS-Kämpfer "zu 90 Prozent" aus Ramadi vertrieben.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bagdad waren am Samstag bei "Angriffen der Armee in Zusammenarbeit mit den Stämmen" in der Provinz Al-Anbar 55 Terroristen getötet worden. Die Kämpfer der ISIS waren in der vergangenen Woche in mehrere Städte der westlichen Wüstenprovinz einmarschiert, nachdem sich die Armee zurückgezogen hatte. Die Nationale Allianz unter Führung von Ijad Allawi forderte Al-Maliki auf, die Armee aus Al-Anbar abzuziehen. Der Provinzrat entließ den Polizeichef von Al-Anbar, Hadi Rasidsch, und ersetzte ihn durch Polizeigeneral Ismail al-Mahlawi.

Tote bei Anschlägen in Bagdad

Auch in der Hauptstadt Bagdad zündeten Terroristen mehrere Sprengsätze. Nach Angaben der Polizei und örtlicher Medien starben insgesamt 15 Menschen. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Die Opfer waren größtenteils Zivilisten. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, doch ähnliche Anschläge auf Ziele der schiitisch geführten Regierung oder auf Zivilisten haben sunnitische Extremisten in den vergangenen Monaten immer wieder verübt. 

Regierungschef Al-Maliki bemühte sich zuletzt, die Spannungen zwischen Sunniten und der schiitisch geführten Regierung abzubauen. Seit Monaten protestieren Sunniten gegen Diskriminierung durch Schiiten.

Falludscha und Ramadi waren zu Zeiten der US-Invasion im Irak Hochburgen sunnitischer Extremisten. Die US-Armee war 2003 im Irak einmarschiert und hatte den Diktator Saddam Hussein gestürzt. Nach dem vollständigen Zusammenbruch der Staatsmacht bemühten sich die Amerikaner vergeblich, eine stabile Nachkriegsordnung zu installieren. Im Dezember 2011 verließen die letzten US-Truppen den Irak.