Wenn der Iran die Bombe will, ist er auf dem besten Weg. Daran ändert auch das vorläufige Abkommen über strengere Inspektionen und Beschränkungen seines Atomprogramms kaum etwas, das am Montag in Kraft treten wird. Die Pause, die es bedeutet, bietet den Raum für weitere Verhandlungen, durchaus. Und solange es besteht, ist die Welt ein wenig sicherer – ein halbes Jahr könnte das sein, immerhin.

Der Iran hat sich darauf eingelassen, innerhalb der kommenden sechs Monate kein Uran mehr auf 20 Prozent anzureichern, weitere wichtige Bestandteile seines Atomprogramms auszusetzen oder zurückzufahren und umfangreiche Kontrollen seiner Anlagen zuzulassen. Teils sollen jene Zentrifugen, die waffentaugliches Material produzieren könnten, aus dem System genommen werden; Bestände hoch verdichteten Urans müssen vernichtet werden.

Doch alle vereinbarten Schritte lassen sich jederzeit umkehren – innerhalb eines Tages, wie der iranische Vizeaußenminister Abbas Araktschi betont, um die Hardliner im Land zu beruhigen –  das Katz-und-Maus-Spiel könnte von vorn beginnen: eine neue Sanktionsrunde, hin und wieder Zugeständnisse, gelegentlich Zutritt zu einigen Anlagen, militärische Drohungen, böse Propaganda. Und eben doch wieder Fortschritte auf dem Weg zur Bombe.

"Kapitulation großer Mächte"

Das kann niemand wollen. Vielleicht nicht einmal der Iran selbst, der schon unter den bestehenden Sanktionen derart ächzt, dass er ein starkes Interesse daran haben muss, den fragilen Halbjahresdeal nicht platzen zu lassen. In monatlichen Tranchen sollen rund drei Milliarden Euro aus den eingefrorenen Öleinnahmen des Landes freigegeben werden, wenn es sich an die Abmachungen hält. Die petrochemische und Autoindustrie dürfen ebenso mit Erleichterungen rechnen wie die zivile Luftfahrt, der Goldhandel soll wieder möglich und Geldtransfers sollen vereinfacht werden.

Pessimistisch betrachtet, hat der Iran für diese vorsichtige Lockerung der Wirtschaftssanktionen relativ kleine Zugeständnisse gemacht. Das grundsätzliche Recht auf Anreicherung will das Land weiterhin nicht aufgeben.

Zudem verschafft ihm die Tatsache, wieder mit am Tisch zu sitzen, einen strategisch wichtigen Zuwachs an Bedeutung – was immer der Iran noch vorhaben mag.  

Hardliner auf beiden Seiten

Die ersten Schritte, die mit dem Interimsabkommen getan sind, machen eine Einigung auf eine dauerhafte Lösung also nicht zwingend leichter – schon allein, weil innenpolitisch der Widerstand gegen die damit getroffenen Verpflichtungen groß ist.

Deshalb muss Präsident Hassan Ruhani das Abkommen auch als "Kapitulation großer Mächte vor der großen Nation des Iran" verkaufen. Was eigentlich paradox ist, denn während er im eigenen Land so die Zustimmung erhöht, sind solche Äußerungen nicht gerade dazu geeignet, das Vertrauen in seine Ernsthaftigkeit zu vergrößern.

Die Hardliner vor allem in den USA warten ja nur darauf, die Verhandlungen als aussichtslos zu diskreditieren und das Sanktionsregime noch zu verschärfen. In der Tat besteht damit die Gefahr, dass die Chance auf einen Deal früher oder später zerbricht. Schließlich hat der Iran die internationale Gemeinschaft oft genug getäuscht und nur auf Zeit gespielt.