Der Oberste Gerichtshof in Jerusalem hat in letzter Instanz Verhandlungen über den umstrittenen Ausbau der israelischen Sperranlagen auf dem Boden von zwei historischen Kulturstätten vertagt. Urteile sollen in den nächsten Wochen, höchstens in wenigen Monaten verkündet werden.

Nach dem Willen des Verteidigungsministeriums sollen je etwa 500 Meter lange Teilstücke zwei der letzten Lücken der Anlage in den Terrassengärten des palästinensischen Dorfes Battir und auf dem Gelände der katholischen Klosteranlage Cremisan bei Bethlehem schließen. Die kulturell wertvollen Anlagen sind dadurch bedroht.

In Battir, südwestlich von Jerusalem, geht es um eine 4.000 Jahre alte Kulturlandschaft aus Obst- und Gemüsegärten. Unter römischer Herrschaft entstanden dort Zisternen und Rinnen, die das Wasser von sieben ganzjährig fließenden Quellen nach ausgeklügelten Regeln auf die Felder leiten. Nach den Plänen des Militärs soll ein 3,50 Meter hoher Stahlzaun das Gelände entlang einer Bahnlinie durchschneiden. Zwischen die Dorfschule und die Gleise soll sogar eine acht Meter hohe Betonmauer gesetzt werden.

Im Mai 2012 hatte das höchste israelische Gericht das Verteidigungsministerium aufgefordert zu begründen, warum die Lücke bei Battir nicht mit Patrouillen und Elektronik überwacht werden könne. Nach der heute angesetzten letzten Anhörung wurde zunächst mit einem Urteil gerechnet, die Entscheidung wurde allerdings vertagt.

85 Prozent der Mauer auf Gebiet des Westjordanlands

Der Fall Cremisan sollte von der gleichen Kammer im Anschluss an Battir verhandelt werden. Da sich das Oberste Gericht erstmals mit diesem Mauerstück befasste, blieb unklar, wann hier ein Urteil zu erwarten ist. Es geht um die Einrichtungen eines katholischen Männerklosters und eines Frauenkonvents am Rand von Beit Dschala, einem mehrheitlich von palästinensischen Christen bewohnten Vorort Bethlehems.

Die Sperranlage soll hier wegen der israelischen Neubausiedlung Gilo quer durch das Gelände der Salesianer verlaufen. Der Nonnen-Konvent und zwei christliche Schulen würden dann weiter auf palästinensischem Gebiet liegen, das Kloster und die Weinberge Israel zugeschlagen.

Seit acht Jahren wehren sich 58 Familien, die dort Agrarland besitzen, und die Katholische Kirche gegen den Teilungsplan. Ihr Rechtsanwalt Ghiath Nasser sagte nach der Anhörung, mit einer Entscheidung rechne er in diesem Fall "in wenigen Monaten". Pater Ibrahim al-Schomali, der Pfarrer von Beit Dschala sagte: "Wir haben nur wenig Hoffnung, aber mit diplomatischem Druck und dank der örtlich starken Kirchengemeinde können wir das Urteil vielleicht beeinflussen."

Der Bau der insgesamt 712 Kilometer langen und weitgehend fertiggestellten Sperranlagen war 2003 auf dem Höhepunkt des zweiten Palästinenseraufstands mit zahlreichen Selbstmordanschlägen begonnen worden. Die Zäune und Mauern verlaufen allerdings zu 85 Prozent nicht auf der international anerkannten Grenze Israels von 1949 sondern auf dem Gebiet des 1967 besetzten palästinensischen Westjordanlands.