Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat einen erneuten Luftangriff der Nato mit zivilen Opfern scharf verurteilt. Er fordere das US-Militär erneut dazu auf, alle Operationen gegen afghanische Dörfer und Wohngebiete vollständig zu stoppen, sagte eine Sprecherin Karsais.

Nach der Darstellung eines Mitarbeiters aus Karsais Büro wurden bei dem Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Parwan sieben Kinder und eine Frau getötet. Die von der Nato geführte Schutztruppe Isaf räumte den Tod von zwei Zivilisten bei einem Bombardement zur Unterstützung von Bodentruppen am Mittwoch ein. Die Zivilisten seien in einem Haus gewesen, von dem aus Soldaten beschossen worden seien, teilte die Schutztruppe mit. Ein Isaf-Soldat und mindestens zehn Aufständische seien bei dem Gefecht und dem Luftschlag getötet worden.

In den Streit um das derzeit verhandelte Sicherheitsabkommen zwischen Afghanistan und den USA hat sich laut einem Bericht von Spiegel Online auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschaltet. Eine Regierungssprecherin bestätigte, dass Merkel etwa 20 Minuten mit Karsai über das deutsche und internationale Engagement in Afghanistan in diesem Jahr sowie über eine mögliche Verlängerung gesprochen hat. Ob Karsai Zusagen machte, ließ die Sprecherin offen.

Karsai fordert Garantien für Sicherheitsabkommen

Der Präsidentenpalast in Kabul teilte mit, Karsai habe Merkel ausgerichtet, dass die USA im Streit um das Abkommen am Zuge seien. Afghanistan wolle das Sicherheitsabkommen unterzeichnen. Es gebe aber die bekannten Bedingungen, wonach die USA einen Friedensprozess mit den Taliban initiieren und ausländische Militäroperationen gegen afghanische Dörfer gestoppt werden müssten. Dafür müssten die USA Garantien geben.

Eine Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) hatte Karsai im November aufgefordert, das Abkommen wie von den USA gefordert sofort zu unterzeichnen. Karsai stellte daraufhin aber weitere Bedingungen und kündigte an, ohne deren Erfüllung werde erst sein Nachfolger unterzeichnen. Dieser soll im April gewählt werden.

Der Kampfeinsatz der Nato läuft Ende des Jahres aus. Eine Einigung bei dem Abkommen ist Voraussetzung dafür, dass internationale Truppen auch danach noch in Afghanistan bleiben. Die USA drohen außerdem damit, dass die Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte und die zivile Wiederaufbauhilfe ohne das Abkommen gefährdet wären.