Mexikos Regierung hat ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Bürgerwehren im Land angekündigt. Auslöser war eine Offensive der selbst ernannten Selbstverteidigungsgruppen im Bundesstaat Michoacán. Sollten sich die Kämpfer nicht zurückziehen, würden sie entwaffnet und festgenommen, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong auf einer Sicherheitskonferenz in der Provinzhauptstadt Morelia.

Die Bürgerwehren wiesen die Aufforderung zurück. "Die Bürgerwehren werden die Waffen nicht niederlegen und werden den Dörfern nicht die Hilfe entziehen, um die sie gebeten haben", hieß es in einer im Internet verbreiteten Stellungnahme. "Wir setzen unseren Kampf fort, bis die Anführer der Verbrecher hinter Gittern sind."

Die Bürgerwehren haben in Michoacán zahlreiche Ortschaften besetzt und rücken auf die Kreisstadt Apatzingán vor. Sie kämpfen gegen das Drogenkartell Tempelritter, das weite Teile des Bundesstaats im Westen des Landes kontrolliert. Am Sonntag hatten Hunderte Mitglieder einer Bürgerwehr die Stadt Nueva Italia eingenommen und die örtliche Polizei entwaffnet. Trotz schwerer Schusswechsel gab es nach offiziellen Angaben nur einen Verletzten.

Angst vor Gegenangriff des Drogenkartells

Nach den Feuergefechten vom Wochenende kehrte am Montag vorübergehend Ruhe ein. Allerdings war Apatzingán, mit rund 100.000 Einwohnern die größte Stadt der Region, wie ausgestorben. Unter den Bewohnern kursiert eine angebliche Drohung des Tempelritter-Kartells, die gesamte Stadt niederzubrennen, sagte ein Sprecher der Diözese der Stadt.

Für die Sicherheitsoffensive sagte Osorio Chong umgerechnet etwa 14 Millionen Euro zu. Am Montag erreichten laut Medienberichten weitere Marineinfanteristen und Bundespolizisten Michoacán. Die Bundesanwaltschaft ließ bewaffnete Einheiten per Hubschrauber einfliegen, wie die Zeitung El Universal berichtete. 

Esteban Barragán, Professor an der Universität Michoacán in Zamora, sagte der New York Times: "Niemand weiß mehr genau, wer alles in den Konflikt verwickelt ist." Die Bürgerwehren seien durchdrungen von Mitgliedern rivalisierender Gangs. "Wer ist hier noch einfaches Mitglied einer Bürgerwehr, wer gehört zu den Kartellen und wer zieht einfach einen Nutzen aus der chaotischen Lage, um seine persönliche Vendetta auszutragen?"