Bundespräsident Joachim Gauck hat von Deutschland ein deutlich ausgeweitetes Engagement in seiner Außenpolitik gefordert. "Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substanzieller einbringen", sagte Gauck laut Redemanuskript bei der Eröffnung der 50. Münchner Sicherheitskonferenz. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Staatsoberhaupt das weltweit bedeutendste informelle Treffen zur Verteidigungs- und Sicherheitspolitik eröffnete.
Gauck sagte, gestützt auf seine Erfahrungen bei der Sicherung
von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit könnte Deutschland
entschlossener weitergehen, um den Ordnungsrahmen aus Europäischer
Union, Nato und den Vereinten Nationen zu erhalten und zu formen. "Die
Bundesrepublik muss dabei auch bereit sein, mehr zu tun für jene
Sicherheit, die ihr über Jahrzehnte von anderen gewährt wurde", sagte Gauck.
Der Bundespräsident sagte, es sollte "heute für Deutschland und
seine Verbündeten selbstverständlich sein, Hilfe anderen nicht einfach
zu versagen, wenn Menschenrechtsverletzungen in Völkermord,
Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen oder Verbrechen gegen die
Menschlichkeit münden". Das Prinzip der staatlichen Souveränität und der
Grundsatz der Nichteinmischung dürften gewalttätige Regime nicht
unantastbar machen.
In sein Plädoyer für eine stärkere Rolle Deutschlands im Rahmen von EU und Nato schloss Gauck ausdrücklich militärisches Engagement ein. "Deutschland wird nie rein militärische Lösungen unterstützen, wird politisch besonnen vorgehen und alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen", sagte er. "Aber wenn schließlich der äußerste Fall diskutiert wird – der Einsatz der Bundeswehr –, dann gilt: Deutschland darf weder aus Prinzip 'nein' noch reflexhaft 'ja' sagen." Vorausgehen müsse jedoch immer eine "sorgfältige Prüfung und Folgenabwägung" sowie die "Ermächtigung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen".
Außenpolitik nicht nur in elitären Zirkeln diskutieren
Zugleich sagte Gauck, die Außen- und Sicherheitspolitik dürfe nicht nur in elitären Zirkeln diskutiert werden. Man müsse das Thema in die Mitte der Gesellschaft holen. "Was alle angeht, muss von allen beraten werden" – Debatten müssten im Bundestag, aber auch in Kirchen, Gewerkschaften, bei der Bundeswehr, in Parteien und Verbänden stattfinden. Gauck lobte in dem Zusammenhang Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dafür, dass er den Dialog mit der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft suchen will. "Das wäre ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen gesellschaftlichen Selbstverständigung."
Syrien und die Ukraine sind Themen in München
Der Bundespräsident appellierte dabei an die Deutschen, das in der
Nachkriegsgeneration noch verbreitete Misstrauen gegenüber der deutschen
Staatlichkeit abzulegen und Deutschland in einer "Grundhaltung des
Vertrauens" zu begegnen. "Wer sich selbst vertraut, gewinnt die Kraft,
sich der Welt zuzuwenden. Wer sich selbst vertraut, ist verlässlich für
die Partner", sagte Gauck.
Auf der Sicherheitskonferenz beraten bis Sonntag mehr als 400 internationale Gäste, darunter 20 Staats- und Regierungschefs sowie 50 Außen- und Verteidigungsminister. Auf der Agenda für die Gespräche stehen auch die aktuellen Konflikte in Syrien und der Ukraine. Der zu den Gästen zählende US-Außenminister John Kerry will in München erstmals mit den führenden ukrainischen Oppositionspolitikern, darunter Vitali Klitschko, reden.
Bundespräsident Joachim Gauck hat von Deutschland ein deutlich ausgeweitetes Engagement in seiner Außenpolitik gefordert. "Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substanzieller einbringen", sagte Gauck laut Redemanuskript bei der Eröffnung der 50. Münchner Sicherheitskonferenz. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Staatsoberhaupt das weltweit bedeutendste informelle Treffen zur Verteidigungs- und Sicherheitspolitik eröffnete.
Gauck sagte, gestützt auf seine Erfahrungen bei der Sicherung
von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit könnte Deutschland
entschlossener weitergehen, um den Ordnungsrahmen aus Europäischer
Union, Nato und den Vereinten Nationen zu erhalten und zu formen. "Die
Bundesrepublik muss dabei auch bereit sein, mehr zu tun für jene
Sicherheit, die ihr über Jahrzehnte von anderen gewährt wurde", sagte Gauck.