In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind bei Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und Polizei mindestens zehn Menschen verletzt worden. Darunter befand sich auch der frühere Innenminister Juri Luzenko, der zur Regierung der inhaftierten Oppositionsführerin Julija Timoschenko gehört hatte. Der Politiker sei nach einem Schlag auf den Kopf in eine Kiewer Klinik gebracht worden, sagte seine Sprecherin der Zeitung Segodnja.


Dutzende Demonstranten hatten sich am Freitagabend vor einem Gericht in Kiew versammelt, das drei Männer zu sechs Jahren Haft verurteilt hatte. Die angeklagten Nationalisten sollen einen Anschlag auf den Kiewer Flughafen geplant haben. Laut dem russischen Staatsfernsehen kam es zu den Zusammenstößen, als die Demonstranten die Polizei mit Steinen bewarfen, um sie am Abtransport der Verurteilten zu hindern. Unter den Demonstranten waren vor allem Anhänger der rechtspopulistischen Oppositionspartei Swoboda.

Luzenkos Frau Irina sagte dem Oppositionssender Hromadske, ihr Mann habe versucht, die Gewalt zu verhindern, sei aber von der Polizei mit Stöcken auf den Kopf geschlagen worden. Er habe Kopfverletzungen erlitten und befinde sich auf der Intensivstation. Ukrainische Oppositionsseiten zeigten Bilder des 49-jährigen früheren Innenministers mit einem Verband um den Kopf und einem Pflaster über dem Auge.

Luzenko ist ein Vertrauter der früheren Ministerpräsidentin Julija Timoschenko, die derzeit in Haft sitzt. Er selbst wurde 2010 ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt, im April 2013 jedoch auf Druck der EU vorzeitig freigelassen. Kritiker betrachteten die Prozesse gegen die beiden proeuropäischen Politiker als politisch motiviert. Luzenko spielt neben Oppositionsführer Vitali Klitschko eine wichtige Rolle bei den seit November andauernden Protesten gegen Präsident Viktor Janukowitsch.