Die Ukraine steht vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen. In einer Fernsehansprache warnte Übergangspräsident Alexander Turtschinow vor einem finanziellen Desaster. "Die Ukraine ist dabei, in den Abgrund zu rutschen, sie befindet sich am Rande einer Zahlungsunfähigkeit", sagte Turtschinow. Um die Haushaltsprobleme des Landes zu lösen, hoffe die Interimsregierung auch auf Unterstützung der EU.

"Vorrang hat für uns, zum Kurs der Annäherung an Europa zurückzukehren", sagte Turtschinow. Jedoch sei die Ukraine auch zu einem guten Verhältnis mit Russland bereit, vorausgesetzt, dass die Regierung in Moskau "die europäische Wahl der Ukraine anerkennt und berücksichtigt", sagte er.  

Russland berief seinen Botschafter aus Kiew zu Konsultationen über die Lage nach Moskau zurück. Das Außenministerium begründete die Entscheidung mit "der Eskalation der Situation in der Ukraine und der Notwendigkeit, die aktuelle Lage von allen Seiten zu analysieren".

Russland hat seine Zahlungen an die Ukraine gestoppt. Finanzminister Anton Siluanow sagte, dass Russland zunächst die Regierungsbildung abwarten wolle, bis es von Präsident Wladimir Putin zugesagte Milliardenhilfen weiter auszahle.

Der Oppositionspolitiker und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko warb angesichts der dramatischen Lage seines Landes um Hilfe von der EU und den USA. "Wir stehen weiterhin vor sehr großen Problemen, müssen jetzt zügig eine Übergangsregierung formen. Außerdem brauchen wir schnell Reformen und dafür finanzielle Hilfe", sagte er der Bild.

Der Westen sagt Hilfe zu

Die USA und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben der Ukraine bereits finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt, um die fehlenden Mittel aus Russland zu kompensieren. Die Ukraine muss dieses Jahr fast zehn Milliarden US-Dollar an Schulden zurückzahlen. Diese Summe könnte das Land derzeit nicht aufbringen.

US-Finanzminister Jacob Lew sagte beim Finanzministertreffen der G 20 im australischen Sydney, es gebe "breite Unterstützung" für ein internationales Hilfspaket. Nach der Bildung einer Übergangsregierung in der Ukraine könnten IWF-Mittel ausgeschüttet werden, um "die Ukraine bei der Rückkehr zu Demokratie, Stabilität und Wachstum zu unterstützen", sagte er.

Die schwierige wirtschaftliche Lage der Ukraine wird auch Thema des Besuchs der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sein, die heute nach Kiew reist. Ashton kündigte an, über eine mögliche Unterstützung der EU für eine dauerhafte Lösung der Krise zu beraten. Dabei werde es auch um wirtschaftliche Hilfen gehen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte der Ukraine Unterstützung in Aussicht: "Eine Ukraine, die bankrott geht, die zahlungsunfähig wird, wird eine zu große Belastung sowohl für den großen Nachbarn im Osten wie für die Europäische Union", sagte er im ZDF.

Auch Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) sicherte der Ukraine in der Saarbrücker Zeitung Unterstützung zu. "Die Menschen in der Ukraine können sich darauf verlassen, dass wir ihnen beim Aufbau demokratischer Strukturen und einer Öffnung nach Europa zur Seite stehen", sagte Müller.