Die französische Regierung von Präsident François Hollande reagiert auf Großdemonstrationen und vertagt ein umstrittenes Gesetz zur Familienpolitik. "Die Regierung wird dieses Jahr keinen Entwurf für ein Familiengesetz vorlegen", verlautete am Montag aus dem Umfeld von Regierungschef Jean-Marc Ayrault. Die Organisatoren der Demonstration vom Sonntag sprachen von einem Sieg ihres Bündnisses.

Ursprünglich hätte das neue Familiengesetz im April das Kabinett passieren und im zweiten Halbjahr der Nationalversammlung vorgelegt werden sollen. Nun hieß es aber aus Ayraults Umfeld, es seien noch "Vorbereitungsarbeiten" für den Gesetzestext notwendig. Als weiterer Grund wurde ein "bereits dichter parlamentarischer Kalender" genannt.

Am Sonntag waren mehr als 100.000 Menschen in Paris und Lyon gegen eine angeblich familienfeindliche Politik der Regierung auf die Straße gegangen. Vor allem konservative Organisationen, die 2013 bereits gegen die Einführung der Homo-Ehe waren, protestieren gegen ein Recht für Lesben auf künstliche Befruchtung oder die Leihmutterschaft. Beides ist im bisherigen Entwurf zwar nicht vorgesehen, allerdings ist das Thema auch bei den Sozialisten umkämpft und sorgte am Montag für innerparteiliche Auseinandersetzungen. 

Mit der Verschiebung des Gesetzesvorhabens reagiert die Regierung offenbar auf die Ankündigung der konservativen Opposition, die Familienpolitik zum Thema im derzeit laufenden Kommunalwahlkampf zu machen. "Die Gemeindewahlen werden die nächste große Demonstration, die Gelegenheit für die Franzosen, François Hollande Stopp zu sagen", sagte Oppositionschef Jean-François Copé dem Sender Europe 1.