Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor der Parlamentsfraktion seiner Likudpartei als "treue Freundin Israels" bezeichnet. "Bei vielen Gelegenheiten hat sich die Kanzlerin gegen Boykotts oder Boykottversuche von Israel ausgesprochen, das verdient unsere Anerkennung", sagte Netanjahu. Hintergrund sind mögliche Sanktionen gegen das Land oder eine Isolation, sollten die Friedensgespräche mit den Palästinensern scheitern.

Die Bundeskanzlerin war am Montagabend mit 13 Ministern zu deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in Jerusalem eingetroffen. Das ist die größte deutsche Regierungsdelegation, die jemals Israel besuchte. Es sei wichtig, die Freundschaft mit Israel weiterzuentwickeln, sagte Merkel. Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel musste kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen, auch Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) war nicht dabei.

Bei den Gesprächen werden das iranische Atomprogramm und der israelisch-palästinensische Konflikt im Mittelpunkt stehen. Netanjahu, der Merkel am Abend in seiner Residenz empfing, sagte, sein Land wolle Frieden, "der den Konflikt beendet". Die Bundeskanzlerin forderte erneut, dass es eine Zweistaatenlösung geben müsse mit einem Palästinenserstaat, der friedlich neben Israel existiert.

Israel fürchtet Verhandlungen mit dem Iran

Das Atomprogramm bezeichnete Netanjahu als "die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt". Deutschland nimmt neben den fünf UN-Vetomächten an den Atomverhandlungen mit der iranischen Regierung teil. Israel fürchtet, dass die Führung in Teheran nur vage Zusagen macht, heimlich aber Atomwaffen entwickelt.

Gemeinsam werde man zudem die Feiern zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vorbereiten, sagte die Bundeskanzlerin. "Diese fünf Jahrzehnte zeigen auch, wie lange auch Deutschland sich schon dafür einsetzt, dass es eine mögliche sichere Zukunft Israels gibt."

Am Dienstag wollen mehrere Ministerien nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung Kooperationsverträge unterzeichnen, unter anderem im Forschungsbereich.