Die ukrainische Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko will sich nicht um das Amt der Ministerpräsidentin bewerben. Das sagte Nikolai Tomenko von Timoschenkos Vaterlandspartei laut lokalen Medien. Das Parlament werde sich daher nicht mit dieser Personalie befassen. Nur wenige Stunden zuvor hatte Tomenko noch gesagt, die aus der Haft entlassene Politikerin sei eine der Kandidatinnen, um eine künftige Regierung zu leiten. Timoschenko will hingegen für die Präsidentschaftswahlen kandidieren, die das Parlament für den 25. Mai angesetzt hat.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Timoschenko am Sonntag telefonisch zu ihrer Freilassung gratuliert. Merkel habe Timoschenko in der Freiheit willkommen geheißen und der kranken Oppositionsführerin Rehabilitation in Deutschland angeboten, hieß es aus deutschen Regierungskreisen. Timoschenko wird nach Angaben ihrer Vaterlandspartei "sehr bald" mit Merkel zusammentreffen.

Merkel sprach auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin über die Lage. Beide stimmten nach Angaben des Sprechers der Bundesregierung darin überein, dass die Ukraine rasch eine handlungsfähige Regierung erhalten und ihre territoriale Integrität gewahrt bleiben müsse. Sie hätten zudem ihr Interesse an der politischen und wirtschaftlichen Stabilität des Landes unterstrichen.

Auch die USA warnen vor einer Spaltung der Ukraine. Dies sei weder im Interesse der Ukraine noch im Interesse Russlands, der EU oder der USA, sagte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice dem Fernsehsender NBC. Es gebe keinerlei Widerspruch zwischen "einer Ukraine, die seit langem historische und kulturelle Verbindungen mit Russland unterhält", und einer modernen Ukraine, die sich stärker in Europa integrieren wolle: "Das eine schließt das andere nicht aus."

Timoschenkos Partei übernimmt Schaltstellen der Macht

Der Vorsitzende des ukrainischen Parlaments, Alexander Turtschinow, war am Vormittag von den Abgeordneten in Kiew zum Übergangspräsidenten bestimmt worden. Die Vollmachten des Staatsoberhaupts gehen damit vorübergehend auf ihn über. Turtschinow gilt als Vertrauter von Timoschenko. Der 49-Jährige hatte einst gemeinsam mit ihr die Vaterlandspartei (Batkiwschtschina) gegründet.

Zuvor war bekannt geworden, dass der ukrainische Oppositionsführer Vitali Klitschko für das höchste Amt im Staat antreten will. "Ich will aus der Ukraine ein modernes europäisches Land machen (...) Wenn ich das mit der Position als Präsident erreichen kann, werde ich mein Bestes dafür tun", sagte er einem Reporter des britischen Senders BBC. 

Klitschko unterstützte die Proteste am Maidan als einer der Anführer. Viele nahmen ihm allerdings übel, dass er sich auf einen Kompromiss mit Janukowitsch eingelassen hat.

Die bisherige Opposition hat in den letzten Tagen einige wichtige Posten im Land übernommen. Noch am Sonntag wolle das Parlament in Kiew einen neuen Regierungschef wählen, kündigte der Abgeordnete Nikolai Tomenko von der Partei Timoschenkos an.   

Ein weiterer prominenter Kandidat für das Amt des Premiers sei der Unternehmer Pjotr Poroschenko. Der bisherige Amtsinhaber Nikolai Asarow war Ende Januar auf Druck der Opposition zurückgetreten.