Der italienische Regierungschef Enrico Letta ist offiziell von seinem Amt zurückgetreten. Das teilte das Amt von Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom mit. Letta hatte seinen Rücktritt nach einer nur zehnmonatigen Amtszeit am Donnerstag angekündigt.

Letta zieht damit die Konsequenzen aus dem verlorenen Machtkampf mit seinem parteiinternen Rivalen Matteo Renzi. Dieser hatte als Chef der Demokratischen Partei Italiens versucht, Letta aus dem Amt zu drängen.

Napolitano kündigte an, bis Samstag die Beratungen mit den Parlamentsparteien über die Bildung einer neuen Regierung abzuschließen. Als wahrscheinlich gilt, dass er Renzi den Auftrag zur Regierungsbildung gibt. Eine Neuwahl gilt als unwahrscheinlich. Nach seiner Nominierung müsste sich Renzi im Parlament mit seinem Kabinett einem Vertrauensvotum stellen.

Damit droht die Regierungskoalition in Rom zu platzen. Die mitregierende Mitte-rechts-Partei von Angelino Alfano hatte für den Fall einer Ablösung Lettas offengelassen, ob sie das Bündnis aufrechterhalten wird. Die beiden Oppositionsparteien M5S (Bewegung Fünf Sterne) und Lega Nord kündigten an, die Konsultationen boykottieren zu wollen: Das sei eine außerparlamentarische Krise, Letta solle sich im Parlament erklären.

Renzi, bisher Bürgermeister von Florenz, wirft Letta vor, dringend benötigte Wirtschaftsreformen zu langsam voranzutreiben. Auch der Industrieverband hatte ein höheres Reformtempo gefordert. Der 39-jährige Renzi gilt vielen als Hoffnungsträger. Zwar ist er politisch vergleichsweise unerfahren, aber viele halten ihm zugute, bislang nicht prägender Teil des politischen Systems in Italien gewesen zu sein.