Die festgenommenen Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sowie weitere Aktivisten und Journalisten sind offenbar wieder frei. Sie hätten die Polizeiwache singend verlassen, schrieb der NBC-News-Korrespondent Richard Engel auf Twitter. Ein Foto zeigt Frauen mit bunten Masken umringt von Journalisten. Eine Bestätigung, ob die maskierten Frauen tatsächlich die Mitglieder der Band sind, gab es zunächst nicht. 

Zuvor waren die Sängerinnen zusammen mit den Aktivisten und Journalisten nach eigenen Angaben verhaftet worden. "Wir sitzen in einem Polizeiauto. Sie bringen uns zur Polizei im Stadtteil Adler", hatte Marija Aljochina am Telefon gesagt. Sie hätten in den vergangenen Tagen rund 20 Stunden beim Geheimdienst FSB und bei der Polizei verbracht, hatte Nadeschda Tolokonnikowa getwittert. Sie seien des Diebstahls beschuldigt worden. Insgesamt zehn Personen waren demnach in Polizeigewahrsam, ihnen wird Diebstahl vorgeworfen. Die Polizei sei mit Gewalt gegen sie vorgegangen. 

In Sotschi hatten Tolokonnikowa, Aljochina und weitere Aktivisten eine Performance mit dem Titel Putin lehrt dich, deine Heimat zu lieben geplant, teilte die Aktivistengruppe Gruppa Wojna mit. Doch zum Zeitpunkt der Festnahme seien sie einfach nur durch Sotschi spaziert. Unter den Festgenommenen ist auch der Journalist Jewgenij Feldman, der für die regierungskritische Nowaja Gaseta arbeitet. 

"Aljonchina und Tolokonnikowa hatten in Sotschi eine Performance geplant, um auf Probleme aufmerksam zu machen, die Pussy Riot umtreiben", sagte Semjon Simonow. Er ist Chef des Büros der Menschenrechtsorganisation Memorial in Sotschi und wurde ebenfalls festgenommen, wie er ZEIT ONLINE sagte. Unter anderem wollte man auf die Situation des Umweltschützers Jewgenj Witischko hinweisen, der zu drei Jahren Lager verurteilt wurde. 

Pussy Riot war durch einen spontanen Auftritt in der Erlöser-Kathedrale in Moskau bekannt geworden. Wegen ihres Protestes gegen Präsident Wladimir Putin verurteilte die Justiz sie zu mehreren Jahren Gefängnis.