Russlands Präsident Wladimir Putin hat Teile der Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Dies betreffe Truppen in Westrussland, melden russische Nachrichtenagenturen. Außenminister Sergej Lawrow hatte von einer zunehmend "neofaschistischen" Stimmung im Westen der Ukraine gesprochen.

Hintergrund sind Forderungen, die Sprache der russischen Minderheit in der Ukraine nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch zu verbieten. Im Ostteil der Ukraine sowie auf der Halbinsel Krim leben viele ethnische Russen. Sowohl im russlandfreundlichen Osten der Ukraine als auch in Russland selbst mehren sich die Rufe nach einem möglichen Eingreifen der Regierung in Moskau. Erst am Dienstag hatte ein russischer Abgeordneter gesagt, Russland werde die russischsprachigen Menschen auf der Krim beschützen. Die Halbinsel am Schwarzen Meer ist für Putin von besonderem strategischem Interesse, weil dort die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist.

Dennoch hieß es in Moskau, dass die Überprüfung der Gefechtsbereitschaft nicht in direktem Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine stehe. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte der Agentur Interfax zufolge, die Übungen würden dazu dienen, die Bereitschaft für den "Fall einer Bedrohung der militärischer Sicherheit des Landes" zu überprüfen. Betroffen sei der Militärbezirk West mit Grenzen zur Ukraine, Weißrussland, zu den baltischen Staaten, Finnland und der Arktis. Auch die zweite Armee im Militärbezirk Mitte, das Befehlszentrum der Weltraumverteidigung sowie die Luftlandetruppen seien "in Alarm versetzt worden". Die Operation soll den Angaben zufolge bis zum 3. März dauern.

"Territoriale Integrität der Ukraine respektieren"

Geprüft werde die Bereitschaft von etwa 150.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen, von 90 Flugzeugen und 120 Hubschraubern sowie von bis zu 880 Panzern, 1.200 Einheiten Militärtechnik und 90 Schiffen. "Alle Panzer werden schießen, alle Flugzeuge werden im Kampfmodus fliegen", sagte Schoigu. Zudem sei eine Übung von Fallschirmspringern geplant.  Die Übungen würden "an der Grenze zu mehreren Ländern stattfinden, darunter auch zur Ukraine", sagte Schoigu. Der Vorgang stehe in Einklang mit internationalen Verträgen, versicherte der Minister.

Angesichts der Truppenaktivitäten im Westen Russlands bekräftigte die Nato das Recht der Ukraine, frei über die eigene politische Zukunft zu entscheiden. "Wir gehen davon aus, dass alle Staaten die Souveränität und Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine respektieren und wir haben dies allen, die es betrifft, deutlich gemacht", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Er ergänzte, eine Diskussion über den 2008 versprochenen Nato-Beitritt der Ukraine sei derzeit nicht aktuell. Die Ukraine müsse selbst über ihre Zukunft entscheiden. 

Pro- und contra-russische Demos auf der Krim

Auf der Halbinsel Krim ist die Stimmung in der Bevölkerung gereizt: Krim-Tataren demonstrierten lautstark ihre Unterstützung für die neue politische Führung in Kiew. Sie schwenkten blaugelbe Fahnen und riefen: "Die Ukraine ist nicht Russland". Eine kleine Gruppe pro-russischer Gegendemonstranten machte Stimmung für eine engere Anbindung an Moskau. Vereinzelt gab es Handgemenge, politische Anführer beider Gruppen und Polizisten versuchten, zwischen den Fronten zu vermitteln.

"Wir werden eine Entscheidung über das Schicksal unseres Landes nicht über unsere Köpfe hinweg zulassen", sagte Nuridin Sejtablajew, ein 54-jähriger Ingenieur. "Wir sind bereit, für die Ukraine und unsere europäische Zukunft zu kämpfen." Nur wenige Meter entfernt schwenkte Anton Ljachow eine russische Flagge. "Nur Russland kann uns vor den Faschisten in Kiew und islamischen Radikalen auf der Krim beschützen", sagte der 52-Jährige.

Die russische Spitzenpolitikerin und Putin-Vertraute Valentina Matwijenko bekräftigte in Moskau, ein militärisches Eingreifen sei nicht ausgeschlossen. Zwar wolle sich der Kreml nicht in die inneren Angelegenheiten einmischen, doch dürfe es keine separatistischen Bestrebungen geben, sagte sie.

Die Krim-Tataren wiederum sind Muslime und haben sich aktiv an den Protesten gegen Ex-Präsident Viktor Janukowitsch beteiligt. Sie wollen sich von Russland abgrenzen, auch weil sie der frühere sowjetische Machthaber Josef Stalin im zweiten Weltkrieg verfolgen und deportieren ließ.