Der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat sich gegen Kritik israelischer Abgeordneter an seiner Rede im israelischen Parlament verteidigt. "Ich war in der Knesset verpflichtet, die Position des Europäischen Parlaments darzulegen. Ich kann natürlich nicht nur die Dinge sagen, die allen gefallen. Ich muss auch die konfliktträchtigen Dinge vortragen", sagte Schulz der Onlineausgabe der Welt.  

Zuvor hatte der Präsident des Europaparlaments die israelische Blockadepolitik im Gaza-Streifen kritisiert. Schulz sagte in seiner Rede, die Blockade des Gazastreifens lasse keine wirtschaftliche Entwicklung zu und treibe Menschen in die Verzweiflung. Diese Verzweiflung werde wiederum von Extremisten benutzt. "Möglicherweise schafft die Blockade so nicht mehr, sondern weniger Sicherheit."

Abgeordnete der siedlernahen Partei Jüdisches Haus hatten während der Rede von Schulz schimpfend das Plenum verlassen, hatten "Schande" gerufen, als Schulz den Bau weiterer israelischer Siedlungen in den Palästinensergebieten und den Boykott des Gazastreifens kritisiert hatte.

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett forderte eine Entschuldigung von Schulz. Schulz, seit 2012 Parlamentspräsident, sieht dazu keinen Grund. "Ich war überrascht und betroffen von der harschen Reaktion, denn ich habe eine proisraelische Rede gehalten", sagte Schulz. Die Leute, die seine Rede gestört hätten, gehörten einer Partei der Hardliner an, die jedes kritische Wort, das sie störe, auf diese Weise beantworteten. "US-Außenminister John Kerry haben sie auf dieselbe Weise angegriffen", sagte Schulz.

In Schutz genommen wird Schulz von Israels früherem Botschafter in Deutschland, Avi Primor. Schulz habe "eine sehr schöne, eine sehr gute Rede" gehalten, sagte Primor dem Deutschlandfunk. Dass Schulz Israel mit nicht verifizierten Zahlen vorgehalten habe, mehr Wasser als die Palästinenser zu verbrauchen, sei lediglich ein "technischer Fehler" gewesen. "Das war eine gute Ausrede für die Rechtsextremisten zu sagen, er lügt", sagte Primor.