Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet mit Schwierigkeiten infolge des Schweizer Votums für eine strikte Begrenzung der Zuwanderung. "Die Bundesregierung nimmt das Ergebnis dieser Volksabstimmung zur Kenntnis und respektiert es, es ist aber durchaus auch so, dass aus unserer Sicht dieses Ergebnis erhebliche Probleme aufwirft", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Es sei an der Schweiz, auf die Europäische Union zuzugehen und ihr darzulegen, wie sie mit dem Ergebnis umgehen wolle. Es würden schwierige Gespräche zu führen sein. "Unser Interesse muss es doch sein, das Verhältnis EU-Schweiz so eng wie möglich zu bewahren."

Die Schweizer hatten sich am Sonntag in einer Volksabstimmung dafür ausgesprochen, die Zuwanderung aus der EU zu begrenzen. Mit 50,3 Prozent fiel die Zustimmung für die Initiative der nationalkonservativen Schweizer Volkspartei (SVP) "Gegen Masseneinwanderung" knapp aus.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte das Schweizer Votum vor Merkel als eine schlechte Nachricht für Europa eingestuft. "Das ist ein besorgniserregendes Votum, weil es bedeutet, dass die Schweiz sich auf sich selbst zurückziehen will", sagte er dem Sender RTL. Es sei auch paradox, weil die Schweiz 60 Prozent ihres Außenhandels mit der EU abwickle. Fabius kündigte eine Initiative seiner Regierung an, innerhalb derer die Beziehung der EU zur Schweiz überdacht werden soll.

Nach Einschätzung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat das Votum der Schweizer vor allem negative Konsequenzen für das Land selbst. "Man darf nicht ganz vergessen, dass die Schweiz wirtschaftlich von der EU und der europäischen Nachbarschaft lebt", sagte Steinmeier in Brüssel. Allein der Schweizer Warenaustausch mit dem Nachbar-Bundesland Baden-Württemberg sei größer als der mit den USA. "Die Schweiz muss wissen, dass Rosinenpickerei dauerhaft keine Strategie sein kann", sagte Steinmeier. Die EU wolle faire Beziehungen mit Nicht-EU-Ländern, aber dazu gehöre auch die Achtung zentraler Grundentscheidungen innerhalb der EU wie die Freizügigkeit. Zu den direkten Folgen könne er derzeit aber noch nichts sagen, sagte Steinmeier. "Wir sollten das jetzt ohne Schaum vor dem Mund betrachten."