Aznar und Mayor Oreja blieben am 31. Januar demonstrativ dem Parteitag in Valladolid fern. Mayor Oreja, der 2003 bei der Wahl zum Parteivorsitzenden gegen Rajoy unterlag und ihm das nie verziehen hat, weigert sich zudem, bei den Europawahlen im Mai erneut als Spitzenkandidat anzutreten.  

Einige ehemalige PP-Mitglieder gründeten Mitte Januar eine neue Partei namens Vox. Das ist ein Novum in Spanien, wo die PP in den vergangenen 25 Jahren sämtliche konservativen Strömungen bis hin zum rechten Rand unter ihrem Dach vereinte. Vox verurteilt die "Konzessionen", die Spaniens Regierung den baskischen Separatisten mache, und spricht sich für eine stärkere Zentralgewalt des Staates sowie die Abschaffung der 17 Einzelregionen aus. Vox vertritt zudem eine ultraliberale Wirtschaftspolitik und fordert ein Abtreibungsverbot.  

Gefühlte Bringschuld gegenüber den katholischen Wählern

Weil das Abtreibungsrecht als relativ einfach zu reformieren galt, ergriff die Regierung damit die Flucht nach vorn. Trotz interner Kritiker ist sie überzeugt, dass eine Mehrheit im Parlament dafür abstimmen wird. Die PP verfügt dort über die absolute Mehrheit der Mandate. Man wird damit sicherlich eine gefühlte Bringschuld gegenüber den katholischen Wählern erfüllen, die von 2004 bis 2011 unter der sozialistischen Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero gegen die Liberalisierung des Abtreibungsrechts, die Homo-Ehe, die Abschaffung des Religionsunterrichts und weitere gesellschaftliche Reformen auf die Straßen gingen.  

Doch eine Mehrheit der Bevölkerung steht gewiss nicht hinter der erneuten Verschärfung. Im Gegenteil: Umfragen zufolge sind zwischen 73 und 76 Prozent der Spanier der Meinung, Schwangerschaftsabbrüche sollten wie bisher bis zur 14. Woche ohne Einschränkung erlaubt sein.    

Einen ihrer neuerdings schärfsten Kritiker hat die PP, wie es scheint, vorsorglich ausgeschaltet. Pedro José Ramirez, Gründer und Chefredakteur der ursprünglich streng konservativen Tageszeitung El Mundo, muss gehen. Weil er voriges Jahr eine Schwarzgeldaffäre enthüllte, die sich bis hinauf in die höchsten Ränge der PP zog – Ministerpräsident Rajoy inklusive – habe sich seine Zeitung zum "Feind der Regierung" gewandelt, sagt er. Den Herausgebern sei gedroht worden, Werbeanzeigen staatlicher Organe zurückzuhalten – davon ist er überzeugt. In nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Zeiten hätte dies das Überleben von El Mundo gefährdet.