"Unser Glück ist gewissermaßen, dass die anderen Medien an Qualität verloren haben", sagt Keun-haing Lee, Executive Director des Senders, in einem kleinen Konferenzraum. Lee arbeitete vorher als investigativer Reporter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunksender KBS (Korean Broadcasting System), wurde nach schweren Protesten gegen die Politisierung seines Senders ins Sportressort versetzt. "Die haben da mich hingesetzt, weil ich keine Ahnung von Sport habe", sagt Lee noch immer mit Empörung. Schnell sei klar gewesen, dass man ihn loswerden wollte.

Seit Sommer 2012 ist er einer von 31 Journalisten und Technikern bei Newstapa. Dass dort alles kleiner ist, stört ihn nicht, sagt er. "Wir sind nicht auf Profit ausgerichtet. Wir wollen überleben und die Menschen informieren. Dann wachsen wir auch von ganz allein." Eine Enthüllung über Steuerhinterziehung Ende vergangenen Jahres sei so ein Beispiel. "Wir haben herausgefunden, dass der Sohn des früheren Militärdiktators, Chun Doo-hwan, zwei Milliarden US-Dollar verschoben hat. Wir gehen davon aus, dass im Ausland noch viel mehr liegt. Und er ist natürlich nicht der einzige Koreaner." Die Story hatte umgehend Auswirkungen: Chun gelobte, sich in Zukunft mäßigen zu wollen.

Nordkorea ist böse, das ist Gesetz

Und dann war da noch eine Enthüllung in jüngster Vergangenheit. Während der Präsidentschaftswahlen Ende 2012 war der südkoreanische Geheimdienst darin verwickelt, über soziale Medien diffamierende Gerüchte über die Oppositionspartei zu streuen. "Auf Twitter und anderen Plattformen wurde immer wieder behauptet, dass die politischen Gegner von Frau Park Verbindungen zu Nordkorea haben. Für ältere Wähler, die den Krieg erlebt haben, reicht schon dieses Gerücht, dass sie so eine Partei nicht wählen würden", sagt Keun-haing Lee.

Um die Zukunft macht sich in der Redaktion niemand Sorgen. Derzeit erreicht Newstapa monatlich mehr als 100.000 Klicks. "Weil wir uns den Mund nicht verbieten lassen", sagt Lee. Stimmt das wirklich, bedingungslos? Er überlegt einen Moment. "Es gibt da natürlich das Gesetz über die nationale Sicherheit. Das schreibt uns im Prinzip vor, dass Nordkorea böse ist. Sympathien können wir nicht bekunden, selbst wenn wir wollten."

Seit 60 Jahren befinden sich Nord- und Südkorea zwar in einem Waffenstillstand, nach wie vor aber formal im Kriegszustand. Die Neuigkeiten aus Nordkorea seien wohl das einzige, wo man bei Newstapa doch ein Blatt vor den Mund nimmt, nahe der Regierungslinie bleibt. Denn sonst könnte es mit der Freiheit vor Kontrolle durch die Regierung auch schnell wieder vorbei sein.