Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra hat in der politischen Krise ihres Landes Bangkok verlassen. Sie halte sich 150 Kilometer außerhalb der Hauptstadt auf, teilte ihre Pressestelle mit. Armeechef Prayuth Chan-ocha sagte in einer Fernsehansprache, dass sich das Militär aus dem Konflikt zwischen Regierungsgegnern und Yingluck-Anhängern heraushalten werde. Er rief beide Seiten zum Dialog auf.

Das Militär hat in der Vergangenheit mehrfach in Thailand geputscht. 2006 etwa stürzte es Yinglucks Bruder, den damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. 2010 schlug es auch eine Protestbewegung nieder. Diesmal hat die Armee sich bislang auf keine Seite gestellt.

Wie lange die Regierungschefin sich schon nicht mehr in Bangkok befindet und wo genau sie sich aufhält, teilte Yinglucks Büro nicht mit. Außenminister Surapong Tovichakchaikul sagte vor Journalisten, für Dienstag sei eine Kabinettssitzung angesetzt. Diese werde "sehr wahrscheinlich" außerhalb Bangkoks abgehalten.

Kinder durch Anschläge getötet

Zuletzt war Yingluck am vergangenen Dienstag in der Hauptstadt gesehen worden. Seitdem war es vermehrt zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen, so etwa am Wochenende, als durch einen Bombenanschlag auf Regierungsgegner in einem Bangkoker Einkaufsviertel eine Frau und zwei Kinder, ein Junge und seine Schwester, getötet wurden. Ein weiteres Kind starb durch einen ähnlichen Angriff im Osten Thailands. 

Yingluck hatte die Vorfälle über Facebook als terroristische Taten verurteilt, mit denen politische Vorteile ohne Rücksicht auf Menschenleben erzielt werden sollten. Wer für die Anschläge verantwortlich ist, war nicht klar. Nur wenige Stunden zuvor hatte die regierungstreue Vereinigte Front für Demokratie gegen Diktatur (UDD) Stimmung gegen die Demonstranten gemacht, die seit Monaten Yinglucks Rücktritt fordern.

Machtvolle Figur im Hintergrund

Am Montag zogen die Regierungsgegner zum Außen- und Finanzministerium. Außerdem versammelten sie sich vor einem Fernsehsender, der von Thaksins Sohn geleitet wird. In der gespaltenen Nation sehen viele vor allem Thaksin Shinawatra kritisch. Er ist vor einer Haftstrafe ins Exil geflohen, trotzdem halten ihn die Regierungsgegner für eine machtvolle Figur im Hintergrund.

Viele Landbewohner dagegen sind Anhänger des Ex-Ministerpräsidenten und halten der Familie zugute, dass sie sich um die ärmeren Schichten kümmere. Dagegen werfen Bangkoks Mittelschicht, die traditionelle königsnahe Elite des Landes und Oppositionelle im Süden den Geschwistern Korruption, Verschwendung von Steuergeldern, Populismus und Klientelpolitik vor.