Alle inhaftierten Demonstranten in der Ukraine sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft frei. 234 Personen seien zwischen dem 26. Dezember und dem 2. Februar inhaftiert worden, sagte Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka. "Heute ist keiner von ihnen mehr in Haft."

Im Zuge der Freilassung forderte Viktor Janukowitsch seine Gegner zum Einlenken auf. "Wir rufen die Opposition auf, ebenfalls Zugeständnisse zu machen", sagte Janukowitsch in einem Fernsehinterview. "Ich will keinen Krieg führen", beteuerte der Staatschef. Ihm gehe es darum, die Sicherheit in der Ukraine zu gewährleisten. 

Mit der Freilassung ist eine wichtige Forderung der Regierungsgegner drei Tage vor dem Ablauf einer Frist für eine Amnestie teilweise erfüllt. Die Strafverfolgung gegen die Freigelassenen werde jedoch zunächst aufrechterhalten, sagte Generalstaatsanwalt Pschonka. Die Vorwürfe würden erst fallen gelassen, wenn die Bedingungen des Amnestiegesetzes erfüllt würden.

Das Parlament in Kiew hatte im Januar ein Amnestie-Gesetz verabschiedet, wonach Demonstranten, die während der Proteste verhaftet wurden, straffrei bleiben. Die Regelung ist jedoch an die Bedingung gebunden, dass die Regierungsgegner die Besetzung der öffentlichen Plätze und Gebäude beenden. Die Opposition hatte die damalige Abstimmung boykottiert und die bedingungslose Freilassung aller Demonstranten gefordert.

Für Sonntag kündigten die Regierungsgegner eine weitere Protestaktion an. Es sei eine friedliche Offensive geplant, kündigte die Vaterlandspartei der inhaftierten früheren Ministerpräsidentin Julija Timoschenko an. Weitere Details nannte sie nicht. Am vergangenen Wochenende hatten sich Zehntausende Menschen an der Sonntagsdemonstration beteiligt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die ukrainischen Oppositionsführer Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk nach Berlin eingeladen. Sie will sie am Montag empfangen, um über einen Ausweg aus der Krise in der Ukraine zu beraten.