Der gestürzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat seinen Machtanspruch bekräftigt. Er sei noch immer Präsident der Ukraine und "nicht abgesetzt" worden. Er sei auch nicht geflohen, sondern habe das Land nach Drohungen verlassen, sagte Janukowitsch auf einer Pressekonferenz im russischen Rostow am Don. Es habe große Gefahr für ihn und seine Familie bestanden, es sei auf ihn geschossen worden. Janukowitsch sagte, er werde weiter "für die Zukunft der Ukraine kämpfen" und gegen die dort verbreitete Angst und den Terror vorgehen.

Für die Krise in der Ukraine machte er den Westen verantwortlich. Dieser sei der Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew entgegengekommen. Er habe auf den Anstand der westlichen Vermittler vertraut, als er das Abkommen (hier als PDF) mit der Opposition vor einer Woche unterschrieben habe. Doch er und das ukrainische Volk seien betrogen worden: Nationalistische, "faschistische" Kräfte hätten die Macht übernommen. "Gesetzlosigkeit, Terror, Anarchie und Chaos" seien die Folge. Er warf dem Westen eine "verantwortungslose Politik" in der früheren Sowjetrepublik vor. Der gestürzte Präsident forderte für eine Lösung der Krise, zu dem von ihm und der Opposition unterzeichneten Abkommen zurückzukehren.

Es war der erste öffentliche Auftritt Janukowitschs seit Samstag. Er hatte sich aus Kiew abgesetzt und war untergetaucht. Inzwischen stellt die Opposition eine Übergangsregierung und plant für den 25. Mai Wahlen.

Janukowitsch schlägt Referendum vor

In seinem Land sei eine faschistische Minderheit an die Macht gekommen. "Ich halte die Oberste Rada für nicht legitim", sagte er über das ukrainische Parlament.

Janukowitsch schlug ein Referendum in der Ukraine vor, das über alle wichtigen Fragen entscheiden müsse, die die Menschen bewegten. Worüber genau in einer solchen Abstimmung entschieden werden solle, ließ er offen. Die für den 25. Mai geplanten Präsidentschaftswahlen bezeichnete er als unrechtmäßig. Deshalb will er daran auch nicht teilnehmen.

Rückkehr in Ukraine geplant

Angesichts der sich zuspitzenden Lage auf der Halbinsel Krim warnte der gestürzte Präsident vor mehr Blutvergießen. Was jetzt auf dem autonomen Gebiet passiere, sei eine "natürliche Reaktion" auf die Machtergreifung durch Banditen in Kiew. "Die Krim-Bewohner werden sich den Nationalisten natürlich beugen", sagte Janukowitsch. Dort gebe es jetzt eine Selbstverteidigung. Janukowitsch sprach sich dafür aus, dass die Krim in der Ukraine bleiben müsse - mit weitgehender Autonomie.

Russland werde er nicht um militärische Unterstützung bitten, sagte Janukowitsch. Jegliches militärisches Eingreifen sei in der derzeitigen Lage unzulässig.

Er kündigte an, er werde selbst in die Ukraine zurückkehren, sobald seine Sicherheit gewährleistet sei.

Von einer russischen Journalistin nach dem Verbleib der ukrainischen Milliarden gefragt, sagte er: "Wir haben die Renten ausbezahlt." An der Pleite und dem Chaos nun seien die neuen Machthaber schuld. Die russische Regierung habe wegen des wochenlangen Machtkampfes und den gewaltsamen Protesten auf dem Maidan letztlich keine Hilfe mehr gegeben. Er habe aber kein Geld ins Ausland geschafft. "Ich habe keine Konten und kein Eigentum im Ausland. Ich bin ein gläserner Mensch", sagte er.