Bei einem Massenprozess gegen Islamisten in Ägypten hat ein Gericht gegen 529 Anhänger des früheren islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi das Todesurteil gesprochen. Nach Angaben des Staatsfernsehens und einem Anwalt der Angeklagten wurden sie wegen Mordes für schuldig befunden.

Von den Angeklagten waren lediglich 123 im Gericht anwesend, der Rest war entweder aus dem Gefängnis entlassen, gegen Kaution auf freiem Fuß oder auf der Flucht. 16 der Männer sind freigesprochen worden. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, Verteidigung und Anklage haben noch die Chance auf Berufung.

Der Prozess gegen die Anhänger des im vergangenen Juli vom Militär gestürzten Staatschefs hatte am Samstag in Minja südlich von Kairo begonnen. Die Richter gaben das Urteil nach nur zwei Sitzungen bekannt. Anwälte warfen dem Gericht schon kurz nach Prozessbeginn vor, Rechte der Verteidigung missachtet zu haben. So hätten die Anwälte keine Gelegenheit gehabt, ihre Argumente vorzubringen.

Den Richterspruch kritisierten Rechtsexperten als äußerst hart. "Dies ist übertrieben und inakzeptabel", sagte der Anwalt Mohammed Sarie, der in Kairo ein Büro für Menschenrechte leitet. "Das Urteil formt die Rechtsprechung in Ägypten von einem Werkzeug für Gerechtigkeit zu einem Instrument der Rache um."

Anstiftung zu Mord und Gewalt

Die meisten der Angeklagten waren bei Protesten in der Provinz Minja verhaftet worden. Damals kam es dort – wie auch anderswo in Ägypten – zu gewaltsamen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Kurz zuvor sind in Kairo am 14. August zwei Protestlager der Muslimbruderschaft zwangsgeräumt worden. 

Die nun Verurteilten zählen zu einer Gruppe von insgesamt 545 Menschen, die sich unter anderem wegen der Tötung eines stellvertretenden Bezirks-Polizeikommandeurs und der versuchten Ermordung zweier weiterer Beamter verantworten mussten. Ihnen wurde vor allem Anstiftung zu Mord, Gewalt, die Erstürmung einer Polizeiwache sowie die Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum und die Brandschatzung von Kirchen der christlichen Kopten vorgeworfen.

Führungsfiguren der Muslimbrüder verurteilt

Unter den Angeklagten sind zahlreiche Führungsmitglieder der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft. Bereits am Dienstag soll der nächste Massenprozess beginnen, bei dem sich unter anderem der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, wegen Anstiftung zum Mord verantworten muss.

Seit dem Sturz Mursis durch das Militär gehen die ägyptischen Sicherheitsdienste mit großer Härte gegen die Muslimbruderschaft vor. Tausende ihrer Mitglieder wurden inhaftiert, darunter praktisch die gesamte Führung. Zudem wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Proteste der Muslimbruderschaft bislang mehr als 1.400 Menschen getötet. Die islamistische Bewegung wurde inzwischen offiziell zur Terrororganisation erklärt und verboten.