Die 529 Todesurteile von Minia stellen für das UN-Menschenrechtskommissariat (UNHCR) einen Bruch der Menschenrechte dar. Todesurteile müssten den höchsten Standards eines fairen Prozesses genügen, erklärte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros. Die erstaunlich hohe Zahl von Todesurteilen sei in der jüngsten Geschichte einmalig. Was jedem einzelnen Angeklagten vorgeworfen werde, bleibe unklar, weil die Anklagepunkte vor Gericht nicht verlesen worden seien. Die Rechte der Angeklagten seien grob missachtet worden in einem "Prozess voller Verfahrensfehler".

In der ägyptischen Stadt wurden am Montag 529 Anhänger des im Juli vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zum Tode verurteilt. Vorgeworfen wurde ihnen die Mitgliedschaft in Mursis mittlerweile verbotener islamistischer Muslimbruderschaft, Aufstachlung zu Gewalt und Tötung eines Polizisten. Colville sagte, die Mitgliedschaft in einer politischen Gruppe oder die Beteiligung an Demonstrationen rechtfertige nach internationalem Recht keine Todesstrafe.

Ein weiterer Massenprozess gegen Islamisten wurde auf den 28. April vertagt. Das Gericht von Minia verhandelte am Dienstagmorgen gegen weitere etwa 700 mutmaßliche Mursi-Anhänger, darunter war auch der Kopf der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie. Die Angeklagten sollen sich für ihre Teilnahme an gewaltsamen Protesten im Sommer verantworten, bei denen zwei Polizisten getötet wurden. Die Armee hatte Mursi im Juli 2013 entmachtet und später bei der Räumung von zwei Protestcamps der Muslimbrüder Hunderte Anhänger des gestürzten Präsidenten getötet. Mursi steht derzeit selbst vor Gericht.

Von den Angeklagten erschienen jedoch lediglich 60 vor dem Gericht. Die Verteidiger boykottierten die Eröffnung des Verfahrens. "Wir haben von einem Erscheinen abgesehen, weil der Richter strafrechtliche Prozeduren verletzt und den Verteidigern nicht erlaubt hat, ihre Klageeinwände darzulegen", sagte Adel Ali aus der Gruppe der Rechtsanwälte der Angeklagten. Er fügte hinzu, dass 77 der Angeklagten inhaftiert seien. Die anderen seien auf Kaution freigekommen oder befänden sich auf der Flucht.

Gegen die am Montag von dem Gericht gefällten Todesurteile kann Berufung eingelegt werden.