Der Major schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern, schaut ratlos. Er steht an einem warmen Frühlingsmorgen im Polizeihauptquartier in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan vor einem großen, grünen Überseecontainer. Darin lagert schon einige Tage lang ein Problem, das der Offizier lösen muss. Und zwar möglichst schnell. Sein Problem ist ein Haufen Sonden, tragbare Metalldetektoren zum Aufspüren von Sprengfallen.

Die afghanischen Polizisten in den Distrikten brauchen diese Geräte dringend. Die Kampfsaison steht bevor, sagen sie, bald werden die Aufständischen wieder angreifen. Die Metalldetektoren können in diesem Kampf das Leben von Polizisten retten. Denn eine der wichtigsten Waffen der afghanischen Taliban und Terroristen sind selbstgebaute Bomben. Sie vergraben solche Sprengfallen am Straßenrand und zünden sie, wenn Polizisten in ihren ungepanzerten Pick-ups vorbeifahren. Hunderte Männer verliert die Polizei jedes Jahr durch die versteckten Bomben. Mit den Sonden könnten die Polizisten die Sprengkörper aufspüren. Doch der afghanische Polizei-Major weiß nicht, wie viele der Detektoren er wohin schicken soll. Die Amerikaner haben ihm die Technik auf den Hof gestellt. Und nun?

Was der Major und seine Männer damit anfangen sollen, wissen sie nicht. Er sucht Rat bei seinem deutschen Verbindungsoffizier. Der Hauptmann der Bundeswehr hat zwei Kampfmittelbeseitiger mitgebracht, die den Afghanen helfen können. "Das sind gute Geräte. Ganz ähnliche sind bei uns auch im Einsatz", sagt einer der deutschen Entschärfer. Er erklärt mithilfe eines Dolmetschers die Technik. Die Afghanen schauen zu, nicken.

Der Major klagt, dass die Polizisten auf dem Land ebenfalls nicht wüssten, wie die Sonden funktionierten. "Wer bringt ihnen das bei?", fragt er seinen deutschen Partner. "Unsere Aufgabe ist es, die Verteilung des Equipments zu organisieren", antwortet der Hauptmann. "Für das Training sind andere zuständig." Der Afghane nickt erneut – glücklich sieht er darüber nicht aus.

Die Deutschen, immer gut organisiert

Die Deutschen sagen, dass die Afghanen bald allein zurechtkommen müssen. Schließlich endet die Mission der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (Isaf) im Dezember 2014. Danach sollte es eigentlich mit der Afghan Nato Training, Advisory and Assistance Mission weitergehen. Doch ob es zu einer neuen Mission kommt, ist noch lange nicht sicher. Denn bisher hat die afghanische Regierung das dafür nötige Abkommen nicht unterzeichnet. Die Amerikaner drohen mit dem Abzug.

Mit den Deutschen möchte der afghanische Major gern auch künftig zusammenarbeiten. Die seien immer gut organisiert, da könne er noch vieles lernen, lobt er bei einer Tasse Tee in seinem Büro. Eine Gefriertruhe brummt darin, ein Fernseher quäkt. Den Major stört das nicht. Im Hintergrund läuft ein indischer Film. Freizügige Szenen sind entschärft: Die entblößte Haut der Schauspielerinnen ist gepixelt. An den Wänden und am Schreibtisch hängen Zertifikate und Urkunden, die dem Major für gute Zusammenarbeit danken. Auch vom deutschen Hauptmann, der auf einem seiner breiten Sofas sitzt, und dessen Einsatz in Afghanistan bald endet, erbittet er ein solches Dokument.

Zunächst müssen beide aber das Problem mit den Sonden lösen. Der afghanischen Major hat vergeblich bei seinen Vorgesetzten nachgefragt. Momentan konzentriert sich die Polizeiführung komplett auf die Vorbereitung der Präsidentenwahl am 5. April. Für die Logistik bleibt keine Zeit.