Im Amtszimmer von Sergej Bogatschjow hängt ein Bild, das den russischen Zaren Peter den Großen zeigt. Das Porträt des geschassten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch ist längst verschwunden. Der stellvertretende Bürgermeister der ostukrainischen Kohlemetropole Donezk wägt jedes Wort ab, bevor er spricht.

"Die Situation hat sich ein wenig stabilisiert, aber wir sind noch sehr weit weg davon, dass man von kompletter Ruhe sprechen könnte", sagt Bogatschjow, der immer noch Fraktionschef von Janukowitschs Partei der Regionen im Stadtrat ist. "Die Regierung in Kiew muss noch viel unternehmen, um das Vertrauen des Volks zurückzugewinnen."

Seit Anfang des Monats demonstrieren Tausende im Stadtzentrum für eine Annäherung an Russland und gegen die provisorischen Machthaber in Kiew. Sie wählten einen "Volksgouverneur" und stürmten mehrmals das regionale Regierungsgebäude. Nach konkurrierenden Kundgebungen am 13. März wurde ein Pro-Kiew-Aktivist erstochen. Zwar sind die gewalttätigen Auseinandersetzungen inzwischen zurückgegangen, doch die prorussischen Proteste gehen weiter. Zuletzt verlangten die Teilnehmer immer häufiger die Rückkehr von Janukowitsch aus seinem russischen Exil.

"Dies ist absolut nicht die Krim"

"Ein Mensch, der sein Vaterland in einer schwierigen Zeit verlässt, hat kein moralisches Recht, die Macht zu beanspruchen", sagt Bogatschjow diplomatisch. Die Stadtverwaltung des alten Regimes habe kein Problem, weder mit der Übergangsregierung, noch mit dem durch Kiew ernannten neuen Gouverneur Sergej Taruta. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier traf sich mit dem Stahlmagnaten während eines Beuschs in Donezk am Sonntag.

Nachdem Russland die Halbinsel Krim in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Festland abgeschnitten und einverleibt hat, bangt die Kiewer Regierung nun um die russischsprachigen Gebiete im Osten und Süden der Ukraine. Für sie ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, ihre Macht zu konsolidieren und einen weiteren Zerfall des Landes zu verhindern.

"Die Mehrheit ist dagegen, dies ist absolut nicht die Krim", sagt Ruslan Kalinin, der stellvertretende Büroleiter von Vitali Klitschkos Udar-Partei in Donezk. Die Geschäftselite der Region sei gegen einen Anschluss an Russland, da sie befürchte, ihr Vermögen an die neuen Herrscher zu verlieren. Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine und graue Eminenz in Donezk, hat sich für die Einheit des Landes ausgesprochen.