Seit Wochen steht die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan wegen Korruptionsvorwürfen in der Kritik. Der Mitschnitt eines Telefongesprächs belastet nun erneut den ehemaligen Wirtschaftsminister Zafer Caglayan. Es geht in dem Gespräch um Schmiergelder in Millionenhöhe. Caglayan war im Zuge der Affäre bereits zurückgetreten – ebenso drei weitere Minister der Regierung Erdoğans.

In dem am Sonntag im Internet veröffentlichten Gesprächsausschnitt ist eine Stimme zu hören, die dem iranisch-aserbaidschanischen Geschäftsmann Reza Zarrab zugeordnet wird. Dieser steht im Verdacht, mit Schmiergeldern die Unterstützung der Regierung für Goldgeschäfte mit dem Iran erkauft zu haben. Zarrab spricht in dem Telefonat offenbar mit einem Vertrauten namens Abdullah Happani. Es wird die Beschwerde des Ex-Wirtschaftsministers thematisiert, Schmiergelder in Höhe von umgerechnet zehn Millionen Euro nicht wie vereinbart erhalten zu haben. Zarrab zeigt sich "überrascht" von den Vorwürfen, da das Geld von seiner Firma angewiesen worden sei. Es müsse sich um einen "Irrtum" handeln.

Istanbuler Staatsanwälte ließen bereits Mitte Dezember im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Zarrab mehrere Dutzend Verdächtige festnehmen, darunter auch den Chef der staatlichen Bank Halk Bankasi sowie zwei Ministersöhne, unter ihnen Caglayans Sohn Kaan.

Erdoğan weist alle Korruptionsvorwürfe zurück. Die Ermittlungen der Justiz bezeichnete er als "Attentatsversuch" gegen seine Regierung. In der vergangenen Woche hatte Erdoğan die Echtheit von zwei Telefonmitschnitten bestätigt, die nach Einschätzung seiner Kritiker eine illegitime Einflussnahme auf einen Gerichtsprozess und eine Ausschreibung belegen.