Beim Staatsbesuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Griechenland sind Meinungsverschiedenheiten in der Frage deutscher Kriegsreparationen offen zutage getreten. Der griechische Präsident Karolos Papoulias sagte nach einem Treffen mit Gauck, sein Land habe die Forderungen nach Reparationen und nach einer Entschädigung für Zwangsanleihen im Zweiten Weltkrieg nie aufgegeben. "Wichtig ist, dass diese Frage gelöst wird mit der Aufnahme von Verhandlungen, so schnell es geht", sagte Papoulias.

Gauck sagte, dass er diese Forderung nicht unterstütze, der Rechtsweg dazu sei abgeschlossen. "Ich werde mich dazu nicht äußern. Und ganz gewiss nicht anders als meine Regierung." Deutschland sei aber bereit, die moralische Schuld anzuerkennen. Gauck verwies auf die Pläne für die Errichtung eines deutsch-griechischen Jugendwerks, das "Brücken des Verständnisses" bauen solle – "auch um den dunklen Seiten der Vergangenheit zu begegnen".

Die deutschen Besatzer hatten Griechenland 1942 zu einer zinsfreien Zwangsanleihe von 476 Millionen Reichsmark an Deutschland genötigt. Dieses Darlehen wurde nie zurückgezahlt. In Griechenland wird zudem debattiert, ob Deutschland Reparationen für die Schäden der Besatzungszeit zahlen müsse. Die griechische Regierung gab dazu im letzten Jahr ein Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse aber nicht offiziell veröffentlicht wurden.

Griechischen Medienberichten zufolge kamen die Verfasser des Gutachtens zu dem Ergebnis, dass sich die griechischen Forderungen an Deutschland mit Zinsen auf bis zu 162 Milliarden Euro summieren könnten. Die griechische Regierung räumt solchen Forderungen allerdings wenig Aussicht auf Erfolg ein. Außenminister Evangelos Venizelos sagte dazu vergangene Woche: "Wenn wir den juristischen Weg einschlagen, werden wir keinen Erfolg haben."