Die Kontrolle in dem sozialistischen Land funktioniert über den Preis. Umgerechnet mindestens 4,50 Dollar müssen Kubaner in einem Internetcafé bezahlen, um eine Stunde zu Surfen – etwa ein Viertel des durchschnittlichen Monatslohnes. Vorausgesetzt natürlich, dass man lange Wartezeiten in Kauf nimmt und überhaupt Prepaid-Karten und funktionierende Computer zur Verfügung stehen. So verwundert es nicht, dass nur ein Viertel der Kubaner Zugang zum Netz hat.

Immer wieder kündigt das Regime an, den Zugang zum Internet zu vereinfachen. 118 Internetcafés durften Mitte vergangenen Jahres eröffnen, umgerechnet eines für 92.000 Einwohner. Insgesamt 334 Rechner sollten dort zur Verfügung stehen, hieß es in der Parteizeitung Granma. Obwohl inzwischen ein Glasfaserkabel nach Venezuela und Jamaika verlegt worden ist, baut sich die Verbindung quälend langsam auf. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei etwa zwei Megabit. Wer online gehen will, muss seinen Ausweis vorlegen und die Kameras an den Decken akzeptieren.

Nur hohe Funktionäre und einige regimetreue Journalisten oder Wissenschaftler haben zu Hause einen eigenen Anschluss. Auch einige Arbeitsplätze sind inzwischen an das weltweite Netz angeschlossen, werden aber kontrolliert. Viele Seiten sind gesperrt, andere, wie Facebook, mangels Geschwindigkeit kaum zu erreichen. Dennoch findet man Berichte zum Beispiel von Ingenieuren, die einen Job in einem staatlichen Unternehmen nur annahmen, um Zugang zum Internet zu haben – und andere gegebenenfalls kostenpflichtig daran teilhaben lassen.

"Feinde des Internets"

Seit Jahren nennt Reporter ohne Grenzen Kuba in seiner Liste der Feinde des Internets in einer Reihe mit Ländern wie China, Nordkorea oder Iran. Neben den unerschwinglichen Preisen wird auf der Insel auch zensiert. Mails, die an kubanische Adressen gehen, werden vom Regime gelesen. Das Land unterhält ein Intranet, das vielen den Zugang zur Welt nur vorgaukelt.

Kritische Blogger wie David Canella Piña lassen sich davon nicht abschrecken. Der 32-Jährige aus Havanna schreibt für die in den USA registrierte Website Cubanet, die eine Alternative zu den gleichgeschalteten Medien in Kuba sein will. David berichtet über Kultur, Alltägliches, aber auch über Diskriminierung an der Universität Havanna. Er nutzt Kontakte in Botschaften auf der Insel, um seine Texte an die Redaktion zu schicken, oder gibt sie per Telefon durch. Die kubanischen Behörden ließen ihn gewähren, sagt er. Auch weil sie wüssten, dass kaum jemand auf der Insel die Blogs verfolgen kann. Cubanet steht wie viele andere Blogs auf der schwarzen Liste, nicht einmal von den Touristenhotels kann man darauf zugreifen.

Viele auf der Straße haben von der weltweit bekannten Bloggerin Yoani Sánchez noch nie etwas gehört – auf ihren Blogs Cuba libre und Generation Y  und auf Twitter spießt sie das meist komplizierte und teils aberwitzige Alltagsleben auf der Insel auf. Die Bloggerin darf reisen, auch in Deutschland trat sie schon auf. Für die spanische Zeitung El País verfasst sie eine Kolumne.